Geschichte Gratkorns
EIEN BusMMEffiEL BUM usBEffiELEBEEN Die Zwischenkriegszeit hat uns in Osterreich alles an wirtschaft- lichen Problemen gebracht, wor- an man nur denken kann: Eine Inflation, wie man sic we- der vorher noch nachher erlebt hat, eine Arbeitslosigkeit, die ohne Beispiel war, ein so unaus- geglichenes Budget, daB man schlieBlich sogar der Uberwa- chung durch einen auslandischen Kontrolleur zustimmte, nicht zu- 1etzt ein AUBenhandelsdefizit, das der jungen Republik schwer zusetzte. Der wirtschaftliche Uberlebens- kampf der Menschen wirkte sich aber auch auf den gesellschaft- 1ich - moralischen Bereich aus. Die Inflation war eine "Entwer- tung aller Werte".1 Man bekam fur sein Geld und auch fur seine Arbeit nicht mehr den vorher vereinbarten Gegen- wert. Geschaftsleute, die nicht flexibel genug auf die ver- anderten Rahmenbedingungen reagierten, kamen unter die Rader, andere wiederum konnten auch tiber Nacht ein Verm6gen machen. Der Schicker Toni war einst ein reicher Holzhandler in Gratkom. Eine holzgeschnitzte Darstellung eines Mannes erinnert noch im Schankzimmer des Gasthauses Pucher an ihn. Sic zeigt ihn al- 1erdings als Kartenspieler, denn das war seine letzte Berufung in einem bewegten Leben, in einer bewegten Zeit. Durch die unru- hige und unklare wirtschaftliche Lage verlor er zuerst sein Geld, der Ausweg im Kartenspiel und im Suff zerrtittete auch seine Fa- milie. Er wurde zum Berufsspie- 1er, der Einsatz seiner Spiele war das Essen fur einen Tag, es wa- ren fur ihn Bummerln zum Uber- 1eben. Rosa Fanninger ging damals ge- rade in die Schule, als die Tra- 96die urn den einst angesehenen Mann ihren endgtiltigen Lauf nahm. "Der Schicker Toni ist immer auf einer Bank neben dem Kachelofen im Gastzimmer gesessen, der hat doff seinen ganzen Tag verbracht. Als wir yon der Schule heimgekom- men sind, da rief er uns schon freu- Eine gesellige Run- de beim Gasthaus Pucher, Schicker Toni als vierter von rechts blickt eher traurig und griesgra- mig. Die Freude der anderen konnte ihn nicht begeistern. (Sammlung Hauslbauer) dig entgegen: `Spielen wir doch ein Bummerl! Spielen wir doch ein Bummerl!' Wir haben aber den Va- ter fragen mtlssen, ob wir mit ihm uberhaupt spielen durften. Der Va- ter sah es eigentlich nicht gerne, wenn wir mit ihm zusammen wa- ren. Aber er hatte Mitleid mit dem armen Mann, und lieB uns unse- ren Spar3. Ftlr den Toni aber war es eine M6glichkeit, etwas zum Essen zu bekommen, well Geld hatte er damals ja keines mehr. Und dann haben wir halt urn eine halbe Semmel gespielt. Er hat uns dann bis Sechse schreiben lassen, und dann hat aber er doch immer gewonnen. So haben wir halt zwei Bummer! gespielt, und er hat so wieder eine Semmel zum Essen gehabt. Gewohnt hat er damals beim Trink! drinnen.2 Einma! hat er seine Miete nicht zah- len k6nnen, da haben sie seinen langen schwarzen Bart ausge- spielt. Das Los hat zwanzig Gro- schen gekostet, der, der den Bart gewonnen hat, hat mit ihm machen k6nnen, was er wollen hat. Das war fur die Leute eine rjchtige Hetz, vie- Ie haben ihm ein Sttickerl heraus- geschnitten, bis schlieBIich auch sein letzter Stolz verschwunden war. Er war dartlber sehr gekrankt und ist dann nach Graz gezogen, urn nicht weiter den Hohn der Ubri- gen spuren zu mtlssen. Als ich ihn dann in Graz als Bettler auf der Murbrtlcke sitzen sah, hat er ganz ftlrchter!ich gezittert und sich vor uns geniert. Er hat so traurjg ge- Schaut."3 Hans Teibinger lieB damn das oben erwahnte Bild des kartenspielenden Schicker Toni schnitzen, als Andenken an ei- nen guten Bekannten, aber auch als letztes Ehrenmal einer treu- en Seele, weil er hat ja taglich gespielt, &£Eiffi© paE`Ei© ©S"a
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