Geschichte Gratkorns
mug, urn so Hohlraume fur die durchschlagenden Flammen frei zu lassen. Die Schichten der Gew6lbesteine wurden nun im- mer weiter gegen die Mitte des Schachtes gertickt, sodaB letzt- endlich eine Art Pyramide ent- stand, die rund einen Meter aus dem Ofen herausragte. Den SchluBstein nannten die Brenner "K6nig", er wurde zu einem Dreieck geschnitten und mit der Spitze nach unten aufgesetzt. War das Gew61be errichtet, so begann man mit dem Legen des Holzes. "Das war Aufgabe des Heizers, da durften wir Buben nur zureichen. Er hat dann ein Gert]st aufgebaut, und zwischen die Hohlraume des Ge- w6lbes die Birken- und Fichten- stauden gesteckt. Die sind dann relativ schnell abgebrannt, und mit ihnen auch die kleineren Steine. So entstanden kleine Schornsteine, durch die der Rauch dann nach oben abziehen konnte. Das war wie eine Beldftung." Zwischen 8000 und 9000 kg Kalk wurden bei jedem Brennen erzeugt. Dies reichte damn fur mehrere Jahre, sodaB nur bei Bedarf geheizt wurde. "Da wurde dann Post gemacht, daB wieder gebrannt wird. Das letzte Mal war's halt im 34er Jahr. Eine Gaudi war das schon, aber auch harte Arbeit. Zwei, der Chef und ein Heifer, haben geheizt. Daftlr wur- de sogar ein Bett neben den Ofen in eine Vertiefung gestellt. Die ha- ben sich dann immer nach ein paar Stunden abgel6st. Die blieben die ganzen drei Tage Heizer. Wir Bur- schen brachten das Holz. Zuerst konnte man die Stauden ja vor den Ofen schmeiBen, spater muBte man sie dann schon zu zweit von weiter her ziehen. Man wechselte sich auch ab, die einen am Tag, die anderen bei Nacht. Geheizt wurde ununterbrochen, das gab es nicht, daB man sagte `Geh' wart' ma' noch eine Viertelstunde', es wurde standig nachgeschoben. Das Es- sen wurde uns heraufgebracht. Manchmal kamen auch die Maderln uns besuchen, und nicht nur mjt Singen hielten wir uns dann wach und vertrieben uns die Zeit." Es erforderte viel Erfahrung, urn zu wissen, wann der Kalk fertig gebrannt war. Auch muBte man die Hitze im Ofen standig kon- trollieren, denn war sic zu gering, damn drohten die untersten Schichten abzuktihlen, und der Ofen ware ausgegangen. "Einen erloschenen Ofen konnte man nicht wieder anheizen. Da war die ganze Mtlh' umsonst. Deshalb war der Heizer und sein Gehilfe auch immer beim Ofen. Die haben schon gewuBt, wie man es richtig angeht. Wenn man in den Ofen hin- einschaute, dann sah man kleine weiBe Sternderln, so ahnlich, wie wenn man zum Himmel schaut. Das war ein Zeichen, daB der Kalk reif war, und man mit dem Aus- heizen beginnen muBte. Daftlr ver- wendeten wir wieder Scheiterholz, und nach vier bis ftlnf Stunden war man fertig. Dann ktlhlte der Ofen einen Tag lang aus. Nun kamen die lnteressenten, die einen Kalk be- stellt hatten, und holten ihn mit ih- ren Fuhrwerken ab, oder der Hdchwiri, der Path, hat es den Bau- Das dreieckige Heiz]och war mit einem Metallrahmen verstarkt, urn so gegen Ein- sturz abgesichert zu sein. Im Hintergrund ist die gemauerte Wand des Ofens zu er- kennen. (Sammlung Samitsch) ern mit seinem Fuhrwerk zugestellt, sollten namlich die Bauern kein ei- genes besitzen." In weiterer Folge muBte der Kalk gel6scht werden. Dabei wird dem Kalk gerade soviel Wasser zugefuhrt, wie er chemisch bin- den kann. Dies war eine gefahr- 1iche Arbeit, weil enorme Hitze frei wurde. "Da muf3te man aufpassen, daB man sich dabei nicht verbrannte. Es muf3te immer genug Wasser drin- nen sein, der Kalk rauscht ja gleich so, das brodelte und kochte im Trog. Da konnte man nicht hinein- greifen, weil das Wasser so heiB wurde. Man rdhrte dann mit einem F3echen urn, damit sich alles aufl6- ste, dann schtlttete man das gan- ze in die Kalkgrube. Der nicht ge- brannte Schotter wurde dann da- bei aussortiert. Begnen durfte es dabei nicht, da muBte man die Padltruhe abdecken, weil einem sonst das Fahrzeug abgebrannt ware. In der Grube sollte der Kalk dann ein Jahr rasten, dabei muBte immer eine Schicht Wasser dber dem Kalk sein, damit der Kalk sch6n fett bleibt." Kalk wurde im bauerlichen Haushalt immer gebraucht. Man verwendete ihn zum AusweiBen der Wande, oder vermischt mit M6rtel zum Mauem und Ausbes- sern der Gebaude. Die zurtick- bleibende Asche im Ofen wurde als Dtinger auf die Felder und Wiesen gebracht. Mit der indu- striellen Erzeugung von Kalk in der Mitte des vorherigen Jahr- hunderts starb auch allmahlich ein ursprtinglich bauerliches Handwerk aus. Kalk wurde nur mehr vereinzelt und fur die re- gionale Umgebung gebrannt. Und die Maderln treffen ihre Buam heute auch woanders.
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