Geschichte Gratkorns

Kalkbrennen war bis ins erste Drittel unseres Jahrhunderts bau- erliches Handwerk. Der Ofen im Frer3nitzviertel ist noch fast voll- standig erhalten. (Sammlung Samitsch) V®M B€AELKp ESEM HF®ENi USREES KE]ENEM SAusffi§Effi BE§M HEIEERE ELABERE REleELT ENusffi ES§E §FE]ENE ®E®EEasELF ®®® "Geheizt haben wir drei Tage und drei Nachte. Das war schon eine schwere Arbeit. Aber sie war auch lustig. Eine Geselligkeit haben wir schon gehabt, wenn die jungen Maderln uns bei der Nacht besuch- ten."1 Lanz Ambros war als gestande- ner Bursch noch dabei, wenn sein Onkel Anton den Ofen be- feuerte. Versteckt und abseits der StraBe liegt im Gebiet der hinte- ren FreBnitz ein Denkmal an eine Zeit, in der es den Bauern vor- behalten war, den fur das Bauen notwendigen Kalk zu erzeugen. Das Kalkbrennen war fur die Bauem am Ostrand der Alpen ein bedeutender Nebenerwerbs- zweig, der vielen von ihnen Ar- beit und Brot brachte, und ihnen die M6glichkeit bot, die vorhan- denen Kalkgesteine und das un- verkaufliche Holz aus ihren Wal- dern nutzbringend zu verwerten. "Ich war beim Brennen in den 30er Jahren noch dabei. Wir haben gem geholfen, weil daftlr kriegte man Geld. Ftlr das Stauderziehen be- kamen wir drei Schilling, wenn man tiber Nacht geheizt hat, dann be- kam man sogar funf Schilling. Mit ftlnf Schilling hat man ein sch6nes Sonntagshemd bekommen, ein sogenanntes Seidenbast, mit drei Schilling bekam man ein Warier- hemd, ein Hemd ftlr wochentags." Biegt man beim Schartlbauer di- rekt in den Wald ab, damn er- reicht man den Kalkofen nach etwa 30-mintitigem Anstieg. Geschtitzt durch die umliegen- den Baume ist er heute noch fast vollstandig erhalten. Der Ofen selbst besteht aus einem zylindri- schen Schacht, mit feuerfesten Ziegeln ausgemauert, von drei Meter Tiefe und zwei Meter Durchmesser. Beheizt wurde der Ofen durch eine dreieckige Off- nung, die nit einem Metall- rahmen gegen Einsturz abgesi- chert war. Die Vorbereitungen zum Brand waren umfangreich. Man muBte einerseits gentigend Holz herbeischaffen, anderer- seits sollten die Kalksteine auch fachgerecht zugerichtet werden. "Aus den Schlagerungen im Win- ter blieb viel Abfall ftlr's Verheizen tlbrig. Das waren zum Beispiel Bir- ken-oder Fichtenstauden. Wir ha- ben dann den Wald zusammen- geputzt und die Stauden zum Ofen geschafft. Das waren schon tiber 40 0chsenfuhren, was da zusam- mengekommen ist. Zusatzlich zu diesen Stauden haben wir dann auch noch ftlnf bis sechs Meter Holz verheizt. Auch die Steine muBten wir herschaffen, weil rings urn den Ofen nicht gentlgend vor- handen waren. So sind wir halt mit der Scheibtruhe gefahren, und bald wurden unsere Arme immer !anger, wir waren damals erst 12 oder 13 Jahre alt, aber auf das Trinkgeld haben wir uns schon gefreut." Kalkbrennen war harte Manner- arbeit. Mit Steinbohrem, MeiBel und Schlagel, die bis zu 15 Kilo wogen, begannen sic die Gew61besteine zu richten: groBe Steine wurden entsprechend ge- spalten, auf der einen Seite spitz, auf der entgegengesetzten breit, wie sic zur Einw6lbung des Heizraumes notwendig waren. Flache Steine, sogenannte Platt- brocken, wurden rings urn die Innenseite des Ofens zur lotrech- ten FluBmauer aufgestellt. So konnten beim Brennen die Flam- men mach oben ztingeln. Hatte man eine H6he von 50 cm er- reicht, so begann man mit den Schlichten der Ansatzsteine, die etwas langer und dicker waren als die Plattlbrocken. So entstand allmahlich ein Gew6lbe, daB nicht nur fest und stabil sein muBte, damit es die Last der dar- tiber geschichteten Steine tragen konnte, sondem auch locker ge-

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