Geschichte Gratkorns
Von den so zahlreich geschaf- fenen brandverzierten Gegen- standen sind nur mehr weni- ge erhalten. Hier eines seiner wohl sch6nsten Sttlcke: ein Bilderrahmen, verziert mit F3o- setten, Blattern und BItlten. Datiert mit 15, Juni 1936. (Sammlung Haselbauer) EIRE FELIENH§HFE®ENE AUF BEffi JASERE "Aus den Haselstecken hat er Be- senstiele gemacht, die F}inde hat er so geschickt heruntergeschalt, daB der ganze Stecken zum SchluB dann verziert war. Er hat aber ftlr seine Schnitzereien auch die jungen Escherl umgeschnitten, da hat er keinen Pardon gekannt. Gefragt hat er nie, wem der Wald geh6rt. Mit den Schnitzereien und vor allem mit den Brennereien hat er sich durch sein Leben gebracht." Mit heiBen Nageln oder anderen spitzen Gegenstanden schuf er so seine Kunstwerke. Bilderrah- men, verziert mit schwarzen Ro- setten, Blumenwerk, 86gen und Vierecken waren seine Marken- zeichen, die ihn auch ftir kurze Zeit im Ort bertihmt werden lie- Ben, ihm dadurch vielleicht auch - wenn auch nur bedingt - das Gefuhl von Geborgenheit gaben. "Das war schon ein gutes Geschaft mit den Pahmen und mit den Stek- ken. Da sind ja Leute gekommen, das g!aubt man gar nicht. Sams- tag und Sonntag, da ist es umge- gangen. Da sind die Leute von der Gegend gekommen. Aus Gratkorn und so. Viele sind halt neugierig gewesen und sind herauf- gegangen. Da hat einer im Dorf unten gesagt, `Da ist ein Stecken- brenner da hinten, der tut Stecken- brennen und macht Bilderrahmen, gehen wir einma! hin schauen'. Und dann sind die Leute heraufgekom- men. Ein bif3I eine Gaudi is' es auch immer gewesen. Die sind dann zu seiner H6hle gewandert, haben ihm bei der Arbeit zugeschaut, und manchmal haben's ihm auch etwas abgekauft." Ein tragisches menschliches Schicksal wurde so zur Volksbe- lustigung, die wirtschaftlich har- ten Zeiten der 30er Jahre prag- ten damals wohl auch den Cha- rakter der Menschen. Bald war es namlich mit seiner "Bertihmt- heit" vorbei. Das Kuriosum von der Jasen war schnell besichtigt und noch schneller vergessen. Die Rahmen und Stiele des Brennseppl fanden ebenso wenig Beachtung mehr wie auch er selbst aus den K6pfen der Men- schen gewichen war. Nur die Haselbauerin weiB mehr von sei- nem Schicksal: "Als die Leut' nicht mehr zu ihm hin- auf gekommen sind, da ist er halt mit seinen Stecken hausieren ge- gangen. Aber die Bauern haben ihm nur grad so viel abgekauft, daB er sein Essen hat zusammen ge- bracht. Hin und wieder hat er dann bei uns am Hof arbeiten geholfen, dafdr hat er seine Mahlzeiten be- kommen. Im Winter kam er auf ein- mal zu uns und fragte, ob er nicht im Stall schlafen k6nne. Das war damals ein kalter Winter im 37er Jahr. Verlangt haben wir damals nattlrlich nichts ftlrs Essen und Schlafen." Ein Aussteiger in unserer heuti- gen Bedeutung war er sicher nicht, ein Lebens-Ktinstler war der damals etwa 50-jahrige auf alle Falle. Unbemerkt war er einst nach Gratkorn gekommen, unbeachtet verlieB er den Ort auch wieder. Nur seine Rahmen und Stecken leben weiter.
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