Geschichte Gratkorns

Die Bekohlungsanlage und Ver- ladebrtlcke der Papierfabrik im Jahre 1924. (Leykam 1925) eine gr6Bere Anzahl von Arzten und Sanitatern nach der Unglticksstelle entsandte. Die Schwerverletzten wurden in den beiden Rettungswagen in das all- gemeine Krankenhaus nach Graz tiberfuhrt. Urn halb 12 Uhr er- schien die Gerichtskommission urn den Lokalaugenschein vor- zunehmen. Die Kommission be- stand aus den Herrn Untersu- chungsrichter Dr. Kerschbaum, Statthalter Oberingenieur Pirner, Gewerbeinspektor Taus und Schriftfuhrer Dr. Reiter. Von den acht Heizern wurden sechs an den Handen, im Gesichte, an den FtiBen und am Unterleib sehr schwer verletzt, so daB wenig Hoffnung auf ihr Auf- kommen vorhanden ist. Es sind dies der 37 Jahre alte Kessel- heizer Anton Kidric, Witwer, zu- standig mach Sauerbrunn bei Pettau; der 36 Jahre alte ledige Heizergehilfe Andreas Sluga, zu- standig mach Trennenberg bei Cilli; der 19 jahrige ledige Heizergehilfe Franz Skerlonik, mach Skala, BH Windisch - Graz zustandig; Franz Schl691, Aufse- her im Kesselhause, 42 Jahre alt, verheiratet, Vater von vier Kin- dern, zustandig mach Also - R6n6k in Ungarn; damn Franz Jud, Heizergehilfe, 39 Jahre alt, mach Fels6 - R6n6k zustandig und verheiratet; Johann Wagner, Kesselheizer, 36 Jahre alt, zu- standig nach Weiterfeld bei Radkersburg, 1edig. Noch zwei (Personen) erhielten Verletzun- gen durch Verbrtihungen, aber nur in solchem Grade, daB sic in hauslicher Pflege belassen wer- den konnten. Es sind dies der 30 jahrige Franz Grader, Vater von zwei Kindern, geb. zu Strem, Bez. Gtissing, und der 30 jahri- ge Franz Niklecz, geb. zu Neu- stift, Bez. Gtissing, Vater von ei- nem Kinde. Die Firma erleidet einen Scha- den von 20.000 Gulden. Die drei bei der Kesselexplosi- on am schwersten verletzten Heizer sind durch den Tod am 9. Dezember 1896 erl6st worden. Urn 11 Uhr nachts starben der Kesselwarter Franz Schl691 und der Heizer Andreas Kidric in fast bewuBtlosem Zustande. Urn 5 Uhr frtih, den 10. Dezember 1896, ist Andreas Sluga seinen Wunden erlegen. Johann Wagner ist am 9. und Franz Jud am 10. Dezember im Krankenhaus in Graz gestorben. Franz Skerlonik blieb am Leben und arbeitet wie- der in der Fabrik."29 Die Arbeitszeit in der Papierfa- brik betrug in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts 11 bis 12 Stunden taglich, 365 Tage pro Jahr. Es kam vor, daB jugendli- che Hilfsarbeiter (unter 14 Jah- ren) auch in der Nachtarbeit ein- gesetzt wurden. Wieder gewin- nen wir durch reichhaltiges Quellenmaterial ein recht genau- es Bild von den Arbeits-und Le- bensverhaltnissen. Im Jahre 1890 arbeiteten in der "Papierfabrik der Aktiengesellschaft Leykam - Josefsthal ftir Papier- und Druckindustrie" 1259 Arbeiter, davon 670 Manner, 573 Frauen, sieben mannliche und neun weibliche Lehrlinge. Die Jahres- 1ohnsumme betrug 352.920 Gul- den, was einen durchschnittli- chen Lohn von 76 Kreuzern pro Tag pro Arbeiter entspricht. Der Mindestlohn betrug 60 Kreuzer Tageslohn fur Arbeiter, 40 Kreu- zer fur Arbeiterinnen. Hilfsarbei- ter verdienten 65 bis 80 Kreuzer taglich, das Maschinenpersonal 80 bis 85 Kreuzer, Frauen im Papiersaal 30 bis 50 Kreuzer, Hollandmtiller einen Gulden und 20 Kreuzer, Maschinfuhrer einen Gulden und 60 Kreuzer, Saal- meister einen Gulden und 45 bis einen Gulden und 90 Kreuzer.30

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