Geschichte Gratkorns

mit Kohlefeuerung, sehr hohen Dampfdrucken und entspre- chend hohen Temperaturen ar- beiteten, konnten Betriebsst6- rungen Explosionen mit verhee- renden Auswirkungen zur Folge haben. Eine der schwersten Kes- selexplosionen in der Geschich- te der Gratkorner Papierfabrik ereignete sich am 9. Dezember 1896; sie forderte vier Tote und ebensoviele Schwerverletzte. Ich gebe den diesbeztiglichen inter- nen Bericht der Direktion hier gektirzt wieder: "Mittwoch, den 9. Dezember 1896, urn 4 Uhr frfuh, hat in der Papierfabrik der A. G. Leykam - Josefsthal eine schwere Kesselexplosion stattge- funden, bei welcher acht Heizer mehr oder minder schwer ver- 1etzt wurden. Urn die vierte Mor- genstunde wurden die Beamten der Fabrik und die Bewohner der Umgebung durch einen furchter- lichen Krach erschreckt. Unheil ahnend, eilten der Leiter der Fa- brik, Agsten, die Ingenieure und die Beamten herbei. Sic brauch- ten nicht lange Umschau zu hal- ten, denn das auf der rechten Seite vom Fabrikskanal gelege- ne Maschinenhaus glich in sei- nem mittleren Teile einer Ruine. Das Dach war ganzlich zerfetzt, die Mauer zerfallen, und rings- urn zerschlagene Ziegel und Schutt. Am entsetzlichsten ge- staltete sich das dtistere Bild der Zerst6rung, als die Mannschaft der Fabriksfeuerwehr acht Men- schen, die jammerten und schrien, forttrug. Es waren urn die kritische Stun- de acht Heizer beim Kessel 8 be- schaftigt. Aus bisher unaufge- klarter Ursache explodierte der Kessel pl6tzlich und der ausstr6- mende heiBe Dampf verbrtihte buchstablich die Hande und Gesichte der Armen. Einige von ihnen haben auch an anderen K6rperteilen, so auch an der Brust, an den FtiBen, in den Wei- chen und am Bauche schwere Am 9. Dezember 1896 fand in der Papier- fabrik eine gewaltige Kesselexplosion statt. Dabei wurden der Heizer Anton Kidric, der Heizergehilfe Andreas Sluga, der Heizer gehilfe Franz Skerlonik, Aufseher Franz Schl6gl, Heizergehi!fe Franz Jud, Kessel- heizer Johann Wagner sowie Franz Niklecz und Franz Gader schwer verletzt. (Archiv Leykam) Verletzungen erhalten. Das Fleisch hing vom Leibe, einzel- ne Knochen waren blosgelegt, Barte und Wangen zum Teil ver- kohlt, kurz ein schauerliches Bild des Jammers und des Elends. Die Herren Arzte Dr. Reiter und Dr. Langmann leisteten den Un- 91ticklichen die erste arztliche Hilfe. Zugleich wurde die Rettungsabteilung der freiwilli- gen Feuerwehr in Graz urn Hil- feleistung ersucht, welche auch so fort zwei Rettungswagen und Die Papierfabrik urn etwa 1870. Der alte Muhlgang ist bereits zu- geschtlttet und der Werkskanal errichtet. (AG/FK)

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