Geschichte Gratkorns
Dieser trat in der Gratkorner Pa- pierfabrik besonders haufig auf, weil die zur Papiererzeugung an- gelieferten Hadern, die teilwei- se aus Grazer Krankenhausern stammten, nicht oder nur unzu- reichend desinfiziert wurden. Die Arbeiterinnen des Hadern- saales waren von dieser Krank- heit am schlimmsten betroffen. Weiters litten die Arbeiter der Papierfabrik haufig unter Tuber- kulose, deren Ursache bei den Halb- und Ganzzeughollandern, Maschinen zur Papiererzeugung, lag. Veratzungen kamen auf- grund der Verwendung kalkhaltigen Staubes in der Causterisierung der Strohstoff- abteilung vor.25 Im Jahre 1875 arbeiteten tiber 31 Prozent der steirischen Papier- arbeiter im Gratkomer Werk der Leykam - Josefsthal AG.26 Die_ ser Wert erh6hte sich bis zum Jahre 1890 auf 56,6 Prozent.27 Die Gratkorner Papierfabrik war zu diesem Zeitpunkt die mit Ab- stand bedeutendste des Kronlandes Steiermark und zahl- te zu den wichtigsten papierer- zeugenden Betrieben Europas. Mit der Entdeckung der Herstel- 1ung von Papier aus Sulfit- zellstoff (1878) begann sich die Papierindustrie auf den Rohstoff Holz umzustellen. Ab 1884, mit der Inbetriebnahme der ersten ``Zellstofflinie" und dem Beginn der Herstellung von Papier aus Sulfitzellstoff in der Gratkomer Papierfabrik, verloren zumindest der Milzbrand, Ruhr und Typhus an Schrecken, weil Hadem in im- mer geringeren MaBen zur Pa- pierherstellung verwendet wur- den. Vor Einfuhrung des Sulfit- verfahrens hatte die Paperfabrik tiber 3400 Tonnen Hadern pro Jahr verarbeitet. Ftir das Jahr 1884 ist abermals minl / maxl Stundenlohn in Kreuzern (1884) Arbeiter / -innen im Papiersaal Kalandersaalarbeiter / -innen Kesselheizer Kesselwarter Handwerker in der Papierfabrik Arbeiter am Hollander und Arbeiter an der Papiermaschine bei der Erzeugung von Pappendeckel, Strohpapier und Dachpappe Tagl6hner in der Cellulosefabrik Holzarbeiter, Maschinenarbeiter, Maschinisten und Schlosser Papierschneider Arbeiter am Kocher Holzschleifer Pappenmaschinarbeiter Vorschneider Maschinenwarter Jugendliche in Cellulose- und Papierfabriken 5-10 5-10 5 -10/ 10 -15 5-10 5-10 5-10 5-10 10 -15 10 -15 3-5/5-10 eine detaillierte Aufstellung samtlicher Arbeitsbereiche nebst der Entlohnung tiberliefert: 28 1259 Arbeiter und Arbeiterin- nen, darunter ein zeitweise zwi- schen 40 und 50 Prozent schwan- kender Anteil an Jugendlichen und Kindern, gingen einer Be- schaftigung nach, die zu den ge- sundheitlich riskantesteii in der Industrie zahlten. In einem Aus- weis tiber den aktuellen Beschaftigtenstand aus dem Jah- Insgesamt stufte die Direktion also 173 Arbeiter,14 Prozent des Gesamtbeschaftigtenstandes, als besonders gefahrdet ein. Diese Anzahl dtirfte eher unter- als tibertrieben sein, denn man er- achtete es als nicht notwendig, etwa die Chlorkalkmtiller, Chlorkalkaufl6ser, die Beschaf- tigten bei den Spalt- und Zerklei- nerungsmaschinen und bei bei den Bandsagemaschinen in die- se Kategorie aufzunehmen. Neben den "all- Tat,gke,t Cellulosekocher Dampfkesselarbeiter Zimmerleute und Maurer Binder und Pflasterer Kupfer- und Kesselschmiede Bleil6ter Biletschneider Betriebsbeamte Transport- und Magazinarbeiter Anzahl 13 40 16 4 10 4 12 7 67 re 1889 stuft die Direktion der Papierfabrik folgende Tatigkei- ten als besonders gefahrlich ein: taglichen" Ar- beitsunfallen er- regten Explosio- nen der Dampf- kessel das gr6B- te Aufsehen. Diese Dampf- kessel dienten (und dienen) der Herstellung von Dampf, der ei- nerseits tiber Generatoren zur Erzeugung von elektrischer En- ergie genutzt wird, andererseits zum Eindampfen des Papiers client. Weil diese Dampfkessel
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