Geschichte Gratkorns

Untemehmer ihrerseits waren zu Beitragszahlungen nicht ver- pflichtet. Ihre Beitragspflicht fand erst im Jahre 1883 eine ge- setzliche Verankerung.2t Schon vor 1868 bestand in der Fabrik eine Fabrikskasse dieser Art ("Fabrikskasse der k. k. privile- gierten Maschinen - Papierfabrik des Herrn Jakob Syz in der Ge- meinde Kirchenviertel bei Grat- wein"), in welche die Mitglieds- beitrage der Arbeiter flossen, urn bei Unglticksfallen oder Krankeit als Untersttitzung zu dienen.22 Urn 1869 waren die Unterkunft und die Beheizung kostenlos. Die Fabrik kaufte die Lebensmit- tel ein und gab sic zum Selbst- kostenpreis an die Arbeiter wel- ter. Die Mitgliedschaft bei der Krankenuntersttitzungskasse galt als verpflichtend. Im Jahre 1878 zahlte die Krankenkasse der AG Leykam - Josefsthal fur Papier und Druck 533 Mitglie- der. Ftir einen Beitrag von zwei Prozent des Lohnes gewahrte diese Krankenkassa tiber einen Zeitraum von h6chstens sechs Wochen eine maximale Unter- sttitzung von 30 Prozent des Loh- nes.23 Das Krankenversicherungs- gesetz wurde erst im Jahre 1888 eingefuhrt; in diesem Jahr trat die Papierfabrik der 1868 gegrfunde- ten "Arbeiter - Kranken- und Invalidenkasse" bei. Diese Insti- tution kann als Vorlaufer einer politischen Organisation der Ar- beiter betrachtet werden, zumal ihre Grtindung seitens des Gra- zer Arbeiter - Bildungsvereines "Vorwats" erfolgt war. Das Prin- zip bestand darin, daB Untemeh- mer wie Arbeiter zu gleichen Teilen w6chentlich zwischen sie- ben und zehn Kreuzer ein- bezahlten. Bei befristeter Ar- beitsunfahigkeit bekam der be- treffende Arbeiter zwischen 40 und 90 Kreuzer taglich als Un- tersttitzung ausbezahlt. Diese Untersttitzung wahrte h6chstens 26 Wochen, danach erhielt man, wieder fur langstens 26 Wochen, die Halfte des zustehenden Be- tra8es.24 Erwahnenswert scheint mir, daB die anderen Betriebe des Konzer- nes Leykam - Jofesthal einer v61- lig von Gratkom divergierenden Regelung des Krankenvorsorge- problems unterlagen. Dort wur- den den Arbeitern einheitlich zwei Prozent des Lohnes abge- zogen und als Vorsorgebeitrag einbehalten. Dafur erhielten die Arbeiter im Krankheitsfalle le- diglich fur die Dauer von sechs Wochen 30 Prozent des Lohnes ausbezahlt. Die Sonderstellung der Gratkorner Papierfabrik ist jedoch damit zu erklaren, daB dieses Unternehmen erst im Jah- re 1870 von der Leykam - Josefsthal AG erworben wurde. Die unter dem Vorbesitzer Jckob Syz getroffenen Regelungen wurden dabei zum groBen Teil tibemommen. Die hygienischen und sanitaten Verhaltnisse am Arbeitsplatz waren dennoch denkbar schlecht. Bei den Berufskrankheiten do- minierte die sogenannte Hadem- Ubung der F}ettungsabteilung der Papierfabrik in ihrem Grtlndungs- jahr 1912. (Sammlung Horst krankheit, also der Milzbrand. Ziegler)

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