Geschichte Gratkorns
Als Bezirksherrschaft war Peggau auch ftlr die Erhaltung der Gratkorner Schule zustan- dig. (APG) junge Menschen bis zum 20. Le- bensjahr bei "zwo Wieder- holungsstunden an den Sonnta- gen nach dem Mittags- gottesdienste in der ordentlichen Schule vornamlich im Sommer von dem Schulmeister unter Auf- sicht des Pfarrers oder seines Vikarius gehalten werden".5 Noch weit ins ausgehende 19. Jahrhundert hinein erschei- men in von Gemeindebtirgem un- terzeichneten Urkunden anstatt der Unterschriften Kreuze auf; ein Beweis dafur, daB elementa- re Schulbildung nicht als selbst- verstandlich galt. Von den namentlich bekannten ersten Schulmannem, die in St. Stefan unterrichteten, ist biogra- phisch wenig bekannt. Erst Si- mom Eichner, Lehrer von 1780 bis 1815, tritt, wenn auch nicht gerade positiv, aus der Anonymi- tat hervor. Er schreckte durch seine rohen Umgangsformen so- gar die Kollegenschaft ab, denn 1815 weigerte sich Ferdinand Prates aus Deutschlandsberg, eine Stellung als Gehilfe des Schulmeisters Eichner in St. Ste- Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden die Gratkorner Kinder von manchen Lehrern mit Ochsenziemern, Peitschen und ahnlichen Ge- raten traktiert. Erziehungsphilosophie: "Wer sei- nen kindern ubersicht lrem mutwil, und sie stroffet nicht demselben zu letzst vil leides geschicht". (S. Brant, Das Narren Schyff,1494.) fan anzutreten. Der Rei- ner Dechant sah sich dar- aufliin zur Stellungnahme veranlaBt, daB Eichner nicht gerade als gebildet bezeichnet werden k6nne und seine Gehilfen mit wenig Anstand und Auf- merksamkeit behandle.6 MiBstande schienen da- mals im Lehrerstand tiberhaupt haufig gewe- sen zu sein, manche Leh- rer musizierten nachte- 1ang in Gasthausem, man- che wurden straffallig, anderetrafmantiberhaupt nur im Ausnahmefall ntichtem an. Zu erklaten dtirfte dies wohl in erster Linie mit der tristen finanziellen Situation der damaligen Lehrer- schaft sein: so verdiente der Gratkorner Lehrer Mathias Zimma im Jahre 1 851 jthrlich 66 Gulden, davon muBte er noch seinen Gehilfen bezahlen. (Der Gulden hatte 60 Kreuzer, im Jah- re 1851 kostete ein Kilogramm Butter 48 Kreuzer; Mathias Zimmas Jahreseinkommen ent- sprach somit dem Gegenwert von 82,5 kg Butter, davon erhielt der Gehilfe einen Teil.) - Unter diesen Umstanden ist es vcr- standlich, wenn der Lehrer ne- benbei Mesnerdienste versah, als Organist tatig war, und sich durch Musizieren in Wirtshau- sern oder auf Hochzeiten ein Nebeneinkommen verschaffte. Haufig hatten die Lehrer, wie der Lehrer von St. Stefan, auch An- teil an der jahrlichen Naturalsammlung.7 Werfen wir einen Blick auf Er- ziehungsmittel und Erziehungs- methoden urn 1800. Aus mach- folgenden Verboten kann ge- schlossen werden, welche Stra- fen bis 1777 - und bei Rohlin- gen wie Simon Eichner sicher auch nachher - gang und gabe Waren: "Da der Leib bei den meisten Schtilem sehr zart ist, und daran gewisse Theile sehr leicht zu be- schadigen sind; da es auch Schti- 1er gibt die ehrliebend sind, so sind in den Schulen folgende Strafinstrumente, und Strafen zu gebrauchen verboten. 1. Ochsen- ziemer, St6cke, Peitschen, Pat- zen [Schlage in die offene Hand] . 2. Ohrfeigen, St6Be, Schlage mit der Faust, 3. Haareisen [Haar- reiBen] , Knien, Ohrenzwicken."8 Erlaubt sind hingegen: "1. Die Rute ftir kleine und mittlere Schtiler. 2. Geschmeidige St6k- kel fur gr6Bere Schtiler, durch Vermehrung der Streiche wird die Strafe vergr6Bert. 3. Berau- bung angenehmer Dinge."9 Das alte Schulgebaude befand sich bis 1815 zwischen der Friedhofsmauer und den vulgo Diwald (Bauparz. Nr. 10), nun, im April 1815, wurde das alte Schulhaus eingerissen und es sollte nit dem Neubau begonnen werden. Uneinigkeiten zwischen der Grundherrschaft Peggau und demstiftReinfuhrtenjedochzur Verz6gerung des Baus. Als damn am 16. April 1817 Franz Fauland, Lehrer aus St. Johann bei Herberstein, seinen Dienst als Lehrer, Mesner und Organist von St. Stefan antrat, konnte man ihm weder ein Schulhaus noch eine Wohnung zur Verftigung stellen. Daran sollte sich wahrend der folgenden Jahre nichts andern. Ftir das neue Schulhaus, das 1823 fertiggestellt war, hatte in erster Linie das Stift Rein (mit 43 Prozent der Baukosten) als Patron der Schule aufzukom- men. Weitere Beitrage hatten die einzelnen Grundherrschaften, j e mach der Anzahl ihrer Unterta-
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