Geschichte Gratkorns

Weitere Hinweise zur materiel- 1en Lage der Bauern im Untersuchungsgebiet liefem un- ter anderem die Grundbticher der Herrschaften, der Franziszeische Kataster und die Akten tiber die Abl6sung der Naturalsammlung fur Pfarrer und Mesner von St. Stefan. Die daraus ablesbaren gravierenden Unterschiede fin- den ihre Ursache in erster Linie in der geographischen Lage der vier Gemeinden. Die ersten genauen Werte tiber die Situation im Raum Gratkom sind aus dem Jahre 1822 tiber- 1iefert.7 Das FreBnitz- und Forst- viertel waren mit 79,7 und 65,7 97o Waldbestand gegenuber dem Kirchenviertel mit 15,6 % und Friesach mit 10,3 % Wald- bestand nur zu einem geringen Teil gerodet. Bezogen auf die vier damaligen Steuer- (bzw. Katastral-) gemeinden lebten 64 % der Bev6lkerung in den beiden Vierteln des Murtales, aber nur 36 % in den beiden Vier- teln des Berglandes, obwohl die beiden Viertel des Berglandes 5 8 % der Gesamtflache aller vier Katastralgemeinden einnahmen. Dementsprechend betrug die Einwohnerzahl in den Vierteln des Murtales 57,3 Einwohner pro km2, jedoch nur 25,2 Einwohner pro km2 in den beiden Vierteln des Berglandes. 62 % der H6fe lagen im Kirchenviertel und in Friesach. Noch deutlicher spiegelt der Viehbestand diese ungleichen Verhaltnisse. Zehn Pferden in den Vierteln des Berglandes standen 69 in den zwei Vierteln des Murtales gegentiber, wo die ReichsstraBe, die Ansiedlung von Schmieden und Wagner und in der Folge die Papierfabrik schon frtih Anreize fur Pferde- zucht und Fuhrwerksdienste bo- ten. Pferde bieten an sich einen Indikator fur die materielle Lage, weil den armeren Bauern in der Regel Ochsen, manchmal auch Ktihe, als Nutztiere fur die land- wirtschaftliche Arbeit dienten. Pferde, die in jener Zeit auBer- ordentlich teuer waren, konnten sich lediglich die materiell bes- sergestellten Bauern des Kirchenviertels und Friesachs leisten. 49 % aller Pferde der vier alten Katastralgemeinden gab es in Friesach, das waren 24 97o al- ler Pferde des Bezirkes Peggau tiberhaupt! Die Tatsache, daB sich im Jahre 1822 nur 26 der 188 0chsen in Friesach befan- den, zeigt weiters den relativen Wohlstand dieser Katastral- gemeinde. Kulturflachen, Bev6lkerung und Viehbestand in den vier Katastralgemeiden (1822) Kirchenviertel Flache Acker Wiesen Weiden Weingarten Wald H6fe 100% 2;6,]3C7o 20,29% 14,76% 0 38,22% 73 Wohnparteien 72 Bev6lkerung 3 93 Bewohner / Hof 5,38 Pferde Ochsen Ktihe Schafe Friesach Forstviertel Fref} nitzviertel 100% 100% 20,12% 11,27% 10,52% 6,46% 3,66% 2,47% 0 0,0453% 65 ,] Cflo 7 9 ,] 2f 7o

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzE=