Geschichte Gratkorns
Flechts der "Jungfernsprung", darunter die alte F}eichsstraBe mit der Weinz6ttelbrtlcke. Am fel- sigen Abhang des Admonterkogels bestand einst, so die Sage, eine "Ttlrken- schanze". Von hier aus hatten die Ttlrken auch Ftaubztlge nach Gratkorn unternommen. (An- sichtskarte urn 1903) (Sammlung Horst Ziegler) Hauselbauer - WeiBeggerhof) k6nnte ihre Entstehung der Er- innerung an die Pest verdanken. Ursprtinglich bestand hier ein rechteckiger Bildstock, der, so die mtindliche Tradition, zur Pestzeit errichtet wurde. Die in der Dult (Kirchenviertel Nr. 40) bestende Kapelle soll einst die Heiligen Rochus und Sebastian beherbergt haben, bildliche Darstellungen lassen sichjedochnichtmehrerkennen. In diesem Falle wtirden die Hei- 1igenwiederaufeinePestkapelle hinweisen. Bei der alten Hauswirtschafts- schule in Friesach finden wir das Luckner - Kreuz, ein Pfeiler mit quadratischem GrundriB und Ni- sche. Dieses Kreuz, bei dem Feldersegnungen stattfinden, gilt ebenfalls als Pestkreuz, vielleicht sogar mit Pesttotengrabern. Auch der Bildstock in Friesach gilt als Pestkreuz, doch dtirfte seine Entstehung - 1aut C. Brandtner - in anderen Ursachen zu suchen sein. Zwischen den Brunnenanlagen des Grundwasserwerkes der Gra- zer Stadtwerke befindet sich das restaurierungsbedtirftige W6rt- her Pestkreuz. Noch 1980 konn- te C. Brandtner das Kreuz wie folgt beschreiben: "In der Haupt- nische ist ein Kreuz aufgemalen. In der darunterliegenden Nische dtirfte die `Grablegung' sich be- funden haben. Die beiden Ni- schen an den Breitseiten sind fla- cher als die Nischen der Vorder- seite. Es sind noch einige Reste von Malereien sichtbar. Links dtirfte die Steinigung des Stefan und rechts Donatus abgebildet gewesen sein."7 Dieser Bild- stock k6nnte in Zusammenhang mit den Pestseuchen von 1630/ 34 in Friesach zu sehen sein. Beim sogenannten B ackenkreuz, auch Rinnerhoferkreuz genannt, findet sich ebenfalls das charak- teristische Kreuz mit den zwei Querbalken (Kardinals- oder Patriarchenkreuz). "Die Form der Nische ist so gestaltet, daB drei Abteilungen entstehen. In der Mitte sieht man im Hinter- grund die Stadt Jerusalem, dar- tiber die Darstellung des H1. Gei- stes." Frtiher dtirften in diesem Bildstock die Kreuzesabnahme sowie die Petsheiligen Sebasti- an und Rochus vorhanden gewe- sen sein. Auch die Faibl - Kapelle auf der Jasen verdankt ihre Entstehung einer Seuche, wenn auch einer Viehseuche. Die Entstehungszeit dtirfte demnach in die zweite Halfte des 18. Jahrhunderts zu setzen sein. Von den zahlreichen Ttirkenein- fallen, von denen die Steiermark im 15 . und 16. Jahrhundert heim- gesucht wurde, war das Gratkomer Becken durch jenen von 1532 stark betroffen. Eine "Ttirkenschanze" soll am Stid- hang des Admonter Kogels ge- standen haben. 1532 sollen die Ttirken das Plateau des Admonterkogels als Lageaplatz benutzt und zur besseren Vertei- digung eine Mauer errichtet ha- ben. Von hier aus hatten die Ttir- ken ihre Raubztige untenommen und auch die Gratkomer beraubt. Einheimische hatten jedoch das Lager gesttirmt und die Ttirken vom Plateau vertrieben. So je- denfalls weiB es die Sage zu be- richten.8
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