Geschichte Gratkorns

F ffi A RE E ® § E RE RE ffi i E ® E In der Zeit der Franzosenkriege wirkte sich die Nahe der Reichs- straBe nicht selten negativ auf St. Stefan aus. Im Marz des Jahres 1797 hatte Napoleon Bonaparte Tirol unterworfen, schlieBlich drang er nach Inner6sterreich vor. Uber den Neumarkter Sat- tel kamen die Franzosen in die Steiermark, am 7. April 1797 marschierten sic in Leoben ein. Die 6sterreichischen Truppen unter Erzherzog Karl zogen sich mach Bruck zurtick, auch Graz wurde von den 6sterreichischen Truppen geraumt. Am 18. April 1797 unterzeichnete Napoleon in Bruck den "Vorfrieden von Leoben", doch der Abzug der Franzosen brachte einige Proble- me mit sich. Der Amtmann Kogler aus St. Stefan wurde am 24. April 1797 von durchziehenden franz6si- schen Soldaten vor der Stein- wand beim vulgo Steinfranzl / Steinsimon (KG Kirchenviertel) erschossen. Dieser Vorfall erreg- te damals unerh6rtes Aufsehen und Sigismund Graf von Auersperg notierte in seinem Tagebuch: "Urn 10 Uhf (Vormit- tags desselben Tages) [24. April 1797] erhielten wir die traurige Nachricht von einem Mord, der von einem beilaufig 60 Mann starken Zuge franz6sischer Volontairs bei der Steinwand, 1/4 Stunde ober der Weinzettel- brfucke, verfubt worden war. Das ungltickliche Opfer war der Amtmann Kogler aus dem Dorfe St. Stefan. Er war mit 6 oder 7 Bauern auf das Geschrei, dass sich in einem Hause an der Stein- wand erhoben hatte, zu Hilfe geeilt. Er war ohne Gewehr und entfloh, als er die Uebermacht der Franzosen ersah. Er ward im Fliechen [Flucht] erschossen und sein K6xper hier gerichtlich un- tersucht und begraben. Die Stim- mung des Volkes tiber diesen Vorfall grenzte an Verzweiflung. Es war der erste vorsetzliche Mord, der von den Franzosen in dieser Umgegend begangen wor- den war."1 Durch den Mord an ihrem an- scheinend beliebten Amtmann waren die Gratkomer Bauern in Wut geraten und es bedurfte nur noch eines ausl6senden Momen- tes, urn zur Rache zu schreiten. Am 28. April 1797, also vier Tage nach den Mord am Amt- mann Kogler, marschierte ein franz6sisches Detachement friedlich von Bruck in Richtung Graz. Die Bauern aus Gratkorn und Umgebung erhielten davon Kunde und das Schicksal nahm seinen Lauf. Die tapferen Grat- korner sthrmten beim Wirtshaus Thomahahn in Friesach auf die 80 franz6sischen Soldaten ein und masakrierten etwa 60 von ihnen. Graf Auersperg in seinem Tagebuch: "Der Oberst der [Gra- zer] Btirger Cavallerie, Herr Dobler, ritt augenblicklich mit einigen Mitgliedern dies[es] Corps dahin. Er fand von den reconvalescenten franz6sischen Soldaten nicht mehr als 18 Mann, die tibrigen waren ged6dtet, oder in die Mur ge- sprengt worden, wo sie alle er- tranken. Der [franz6sische] Oberste Beranger, bisheriger Platz Kommandant in Leoben, hatte das Detachement gefuhrt; er hatte 3 schwere Wunden, je- doch keine t6dlichen; eine Ku- gel war ihm durch die Hutstolpe gegangen. Oberst Dobler rettete ihn und die noch tibrigen 18 Mann mit eigener Lebensgefahr aus den Handen der durch vor- hergegangene Pltinderungen auf- gebrachten Bauern, die ihren Verlust nun durch Mord und Raub an unschuldigen friedlich auf der He[e]rstrasse ziehenden Frankreichern rachneten [rach- ten]. Das Gepack des Obersten, seine Pferde und Schriften wur- Vulgo Steinsimon in der KG Kirchenviertel nach der Kataster- aufnahme von 1823 (mit Ergan- zungen bis tw.1850). (AG / FK) 1 APG (Sterbematriken), ChrQnik Grat- korn (HS !m AG) und J. Kratochwi!!,1880` S.168f.

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzE=