Geschichte Gratkorns

Pestkreuz beim Feldbauerweg, zwischen Eggenfeld und Worth. (Foto I. Mirsch) rtihrt blieb: ein Pfarrer aus St. Stefan rettete - vermutlich 1480 - das Dorf Friesach aus groBer Pestnot2 und die seit dem Jahre 1630 im Pfarrarchiv St. Stefan erhaltenen Sterbematriken wei- sen immer wieder Mortalitats- spitzen auf, die nur durch Hun- gersn6te oder Seuchen zu erkla- ren sind. Pesttote wurden aber, sofeme sic in einem Massengrab auBerhalb des Friedhofes begra- ben wurden, nicht in die kirchli- chen Sterbebticher eingetragen. 3 Ein solcher Pestfriedhof k6nnte neben der ReichsstraBe beim Hausberg bestanden haben, doch ware ebenso ein protestantischer Friedhof in Betracht zu ziehen. (Vg1. dazu die einschlagigen Ausftihrungen beim Thema "Protestantismus".) Trotzdem lassen sich in der Neu- zeit einzelne Seuchen in Grat- kom direkt nachweisen. Im Jah- re 1680 drang die Pest bis in die Gegend von Andritz vor, weiters wtitete die Seuche in einigen Hausern des R6tschgrabens.4 Derartige gravierende Ereignis- se hinterlassen vielfaltige Spu- ren. In der Steiermark existiert noch eine stattliche Anzahl von Pest, Lepra (der Holzschnitt zeigt eine Lepra- schau), Cho]era und andere Seuchen mach- ten im Mittelalter und der frtlhen Neuzeit auch vor Gratkorn nicht Halt. In Friesach und im Ft6tschgraben forderte die Pest nachweislich Opfer; nicht naher bestimmbare Seuchen wtl- teten in Gratkorn urn 1640, 1690/1700, urn 1730 und urn 1820/1830. (H. v. Gersdorf, Feldtbuch der Wundarzney. StraBburg 1528.) Pestsaulen, wovon insbesondere jene in der Umgebung von Graz haufig in das Jahr 1680 zu datie- fen sind. "Je naher die Errichtung solcher Saulen dem Mittelalter steht, desto zierlicher ist ihre Form, da sie, aus Stein gehauen, schlanker und edler gestaltet werden konnten, als es ein Bau aus Mauerziegeln, wie er der spateren Zeit eignet, zulaBt. Das Eigenthtimliche haben sic aber alle miteinander gemein, daB auf einem Sockel eine schlankere Saule und auf dieser ein dartiber hinausstrebendes Kapital ruht, dessen maBige Dachhaube von einem Kreuze, nicht selten einem Doppelkreuze, gekr6nt wird. Die H6he derselben betragt meistens 3, aber auch 4 und 5 Meter."5 Solche Saulen bestehen auch in Gratkom, mehr oder minder weit von Siedlungen entfemt, biswei- len auf einem ktinstlich angeleg- ten Htigel; noch haufiger inmit- ten einer Wiese, an einer Weg- kreuzung, bzw. an einem "Drei- spitz", wo drei Wege ein Drei- eck bilden. Von den Gratkorner Kapellen dtirfte die Mathesbauer - Kapel- 1e in Friesach auf ein urspring- 1iches Pestkreuz zurtickgehen. Zwar tragt die Kapelle die Jah- reszahl 1866, doch bezieht sich dies nur auf den Neubau mach dem groBen Friesacher Dorf- brand von 1865. Die alte Kapel- 1e stand einige Meter unterhalb. Diese Kapelle diente als Sam- melpunkt fur Prozessionen, die an Bittagen und am Donatifest mach St. Stefan durchgefuhrt wurden. Weiters diente die Ka- pelle bei der Feldersegnung als Station und, was fur unsere The- matik von Belang ist, am Dreifaltigkeitssonntag ftihrte eine Prozession von dieser Ka- pelle zum Pestkreuz, also eine petsprozession.6 Auch anstelle der worth - Ka- pelle beim Lindenhof dtirfte ur- sprtinglich als Pestvotivkreuz er- richtet worden sein, wenn auch der gegenwartige Bau erst aus den 19. Jahrhundert stammt. In Verbindung nit der Pest wird die Kapelle in erster Linie durch das Kreuz mit zwei Querbalken so- wie durch die hier verehrten Pestheiligen Rochus und Seba- stian gebracht. Auch die Hauslbauer - Kapelle (FreBnitzstraBe, Kreuzung

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