Geschichte Gratkorns
Meister der Votivtafel von St. Lambrecht, urn 1430: Kampf christlicher Fteiter gegen die Tdr- ken. (G. Biedermann,1982, Abb. 6 u Kat. -Nr,12.) HFSRKEENp ELEusseELffiEeKEEN UENB PESEF Nachdem das Gratkomer Becken seit der Verschiebung der Ost- grenze (1122) nicht mehr unter den Einfallen der Ungam zu lei- den gehabt hatte, 1assen sich kei- ne direkten feindlichen Bedro- hungen nachweisen. Auch die Ttirkeneinfalle des spaten 15. Jahrhunderts zeigten vorerst kei- ne direkten Auswirkungen, sieht man von erh6hten Steuer- 1eistungen zur Verteidigung des Landes ab. einen Eindruck von einem sol- chen Heuschreckeneinfall ver- mitteln: "Von weitem sah ihr Flug aus wie eine dtister aufstei- gende, schwarze Rauchwolke. Als sie herankamen, verfinster- ten sie die Sonne durch ihre un- ermeBliche Zahl. Das Gerausch des anfliegenden dichten Schwarmes und die drohende Vernichtung aller Feldfrtichte verursachten in der B ev61kerung Furcht und Schrecken. Wo sich den Wiesen und Ackern halbschuhhoch lagen und von den Baumen, auf denen sie sa- Ben, brachen armdicke Aste ab. [...] Wenn sie nicht vertrieben worden waten, wtirden vom Hei- den, von der Hirse und vom ttir- kischen Weizen, und was sie sonst Grtines antrafen, nicht viel tibrig geblieben sein."1 Zwischen dem Jahr 1000 und 1499 lassen sich in der Steier- mark etwa 50 Hungerszeiten, 23 1 Zltiert nach F. Brauner,1953` S. 77. 2 ADS,Ill, S. 81if, 3 a. Peln!ich.1878, S. 63 (FUBnote i). Umso drastischer zeigte sich die Not im Jahre 1480 dem ganzen Land: Ttirken fielen, aus Karn- ten kommend, tiber Neumarkt ins Murtal ein; Pest und Heu- schrecken fugten den Land un- geheuren Schaden zu. Zwar be- sitzen wir keine Quellen, die auf Gratkom direkt Bezug nehmen, doch m6ge eine Aufzeichnung des Marktschreibers von Mureck die Tiere niederlieBen, verzehr- ten sie alles bis auf den Grund. Ihre Farbe war auf der Oberseite braun und grau, auf der Unter- seite fleischr6tlich und gelb. Sie hatten zwei gr6Bere und zwei kleinere Fltigel und gelbe FtiBe; der Leib war fingerlang und ei- nen halben Finger dick. Diese schrecklichen Gaste lieBen sich so zahlreich nieder, daB sie auf Jahre mit Vieh- seuchen, 13 Ttirkeneinfalle und 60 Pest- perioden nach- weisen. Noch katastrophalere AusmaBe er- reichten Seu- chen beizeiten im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Besonders durch die Nahe der ReichsstraBe und den dadurch bedingten Durchzugs- verkehr konnten Seuchen in Eggenfeld, W6rth und Friesach FUB fassen. Die Einzelh6fe des Berglandes wa- ren wegen ihrer weniger exponierten Lage kaum von Seuchen betroffen. Die einschlagigen Marchfutter- register aus dem 15. Jahrhundert lassen nicht auf verheerende Pestepedemien in Gratkorn schlieBen, denn nur sehr selten wird ein Hof als "6d", also ver- 6det bezeichnet. Andere Quellen beweisen aber, daB Gratkom von der Pest durchaus nicht unbe-
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