Geschichte Gratkorns
So uneinheitlich sjch das mittelalterliche Strafrecht zeigte, so einfallsreich war es: Auspeitschung, Versttlmmelung, Ent- hauptung und Ausschleifung. (Jacobus de Voragine, Legenda aurea. K6ln 1485.) Schattenhalmb urn den 10. Februar 1687 beim Dultkreuz dem Abgesandten des Grazer Landrichters tibergeben, in die Hauptstadt gebracht und "mit dem Schwerdt zu Gratz auf dem Plaz justificiert"18 , kurzum: enthauptet. Derartig schwere Kriminal- falle ereigneten sich im Gemeindegebiet selten, ob- wohl, wie den Quellen zu ent- nehmen ist, die Jugendkrimi- nalitat hoch war. Die meisten Ubeltater kamen mit einer Geldstrafe, dem Pranger oder mit ein paar Tagen Arrest da- von, nicht innerhalb des Burg- frieds seBhafte Personen er- hielten eine Art Aufenthalts- verbot. Strenge Ahndungen erfuhren auch Verst6Be gegen die kirchlichen Moralgebote. 1721 zum Beispiel ist "des Lautschbauern bruder, Plankhenwarth underthan mit namben gotthart wolf wegen begangener Unzucht in Purkhfried gestraft wordn zu 1 Schilling 30 Pfennig."19 Die Herrschaft Peggau besaB also damals in ihrem Burgfried die Gerichtsbarkeit tiber alle Perso- nen niederen Standes, auch wenn es sich urn Angeh6rige anderer Grundherrschaften handelte. Das, was ftir die jeweilige Grundherrschaft Recht war, muBte den Untertanen einmal jthrlich im Taiding verlesen wer- den. Jede HeITschaft hatte ihr ei- genes Recht und eigene Sanktio- men. Dieses Recht war in einem Rechtsweistum, im Taiding, ver- zeichnet. Weil ein spezielles Taiding der Herrschaft Peggau nicht erhalten ist, soll ein Blick in die Taidinge anderer, fur Grat- korn ebenfalls bedeutende Herr- schaften geworfen werden. Das Banntaiding der Herrschaft Stift Rein aus dem 17. Jahrhun- dert wendet sich vorerst generell gegen alle Aktivitaten, welche die Ruhe in ihrem Gebiet st6ren konnten. "[...] so sollen alle raufhandl, palgen, schlagen, injuri, gotsl6stern, huererei, ehebrecherei, mort, raub, dieberei und alle andere unzucht, wie dieselben aim namen haben mechten, allerdings verbotten und abgestelt sein."20 Ftir schwe- re Delikte galt die Todesstrafe, geringere Vergehen konnten durch Geld gestihnt werden. De- tailliert wird im Banntaiding der Herrschaft Waldstein beschrie- ben: "Item so einer ainen schlecht mit der faust und legt den daumb nit in die faust, so ist er von jeden finger fallig ein march pfennig."21 Das Pfann- berger Banntaiding sieht fur die Vergewaltigung einer Jungfrau als Strafe vor: "Welcher ein jungfrau schwecht oder not- zwangt ist dem gericht verfallen 32 Pfund Pfennige, darzue sich mit der person und irer freundschaft zu vertragen schul- dig."22 Wer jedoch nicht in der Lage war, die teilweise sehr ho- hen Strafgelder zu bezahlen, der verlor haufig ein Auge, die Hand oder ein Ohr. Den Wieder- holungstater traf, wie oben am Beispiel Schattenhalmbs gezeigt, stets die ganze Harte des Geset- Zes. Infolge der weitreichenden wirt- schaftlichen Interessen der 18 GBAFi(Peggau) 4346, fol 19 (LA) 19 GBAFl(Peggau) 4346, fol,114v (LA). 20 Taidinge,1881, S 367 21 Taidinge,1881, S. 356. 22 Taidinge,1881, S. 340,
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