Geschichte Gratkorns

11 Grenzbeschreibung des Landge- rlchtes Graz van 1621, Biatt 18a, 18b (LA); Gerlchts- beschreibungen, S. i84. 12 Landesftlrstliches Lehensurbar von 1767 (LA); Gerichts- beschreibungen, S 185. 13 C. Schmutz,1822. S.103. 14 Landesfurstliches Lehensurbar von 1767 (LA); Gerichts- beschrelbungen, S.186. i5 H Baltl,1957, S. 55f. 16 GBAF}(Peggau) 4346, fol, 35 (LA), 17 H. Baltl,1957, S. 98, Nr. 237. Auch die Peggauer Freiung van 1785 ist noch vorhanden, sie wurde sechs Wochen vor und nach St. Margareta (20 Jull) am Pranger ausgesteckt. (Ebenda, S. 77, Nro 106.) In der Beschreibung der Grenzen des Landgerichtes Graz aus dem Jahre 1621 heiBt es namlich, daB "aus disem purkfrid [.] die mallefizpersanen [Malefiz- personen = Verbrecher, die der hohen Gerichtsbarkeit unterste- hen] dem landgericht Graz bei dem cretiz neben des Vnckhenstain, wie gebreuchig, ubergeben" werden.11 1767 wird das Pegauer Gericht als "burgfried und gericht" bezeich- net, jedoch im Sprengel des Landgerichtes Waldstein lie- gend,12 C. Schmutz vermerkt 1822, daB bei der Herrschaft Peggau das zum Markt Semriach geh6rende Landgericht ver- Waltet werde.13 Der genaue Standort des oben erwahnten Holzkreuzes kann an- hand einer weiteren Quelle be- stimmt werden. Aus dem landes- ftirstlichen Lehensurbar von 1767 erfahren wir, daB die Burgfriedgrenze hinab "bis zu den h61zern creuz, von danen mach der landstraBen ab bis auf den st. Ulrichsbrunn oder Unken- stein gegen Siebenprtin tiber" verlauft.14 Das Holzkreuz stand genau dort, wo der Dultbach die alte ReichsstraBe kreuzte. Hier warjener Ort, wo die dem Land- gericht in Graz zu tiberantwor- tenden Schwerverbrecher dem Beauftragten des Grazer Land- richters zu tibergeben waren. Auf der Grazer Richtstatte wurden die Todesurteile vollstreckt, die Verh6re wurden, wie unten ge- schildert, auf der Burg Peggau durchgefuhrt. Solche Wegkreuze oder Bild- st6cke, aus Holz oder gemauert, markieren haufig alte Gerichts- grenzen. In manchen Fallen kann auch an eine Verbindung von Kult- und Rechtsort mit vor- oder fhihgeschichtlichen Grabem ge- dacht werden;15 im Falle des Dultkreuzes scheint dieser Ge- danke nicht abwegig, denkt man an den unmittelbar benachbarten "Haiden Berg" mit den eingangs erwahnten Grabfunden in der Umgebung des vulgo Harthopfer. Die damaligen Verhaltnisse wer- den besser anhand eines konkre- ten Rechtsfalles deutlich: Durch die Nahe der ReichsstraBe (Gra- zer / Brucker StraBe) tauchte auch im friedlichen D6rfchen St. Stefan von Zeit zu Zeit so manch unliebsamer Gast auf. Als anlaB- lich des Kirchtages im Jahre 1694 allerlei Verkaufsbuden vor der Kirche standen und die Kra- mer dort ihre Waren ausriefen, versuchte ein Ortsfremder, ein zum Verkauf angebotenes Mes- ser zu stehlen. Der Tater wurde ergriffen, auf die Burg Peggau gebracht und "examiniert" (be- fragt). Weil der Spitzbube weder zu einem Gestandnis noch zu weiterreichenden Aussagen zu bewegen war, warf man ihn kur- zerhand fur zwei Tage in die "Keichen", also ins Gefangnis. Nach VerbtiBung der Haft wur- de der Ubeltater noch an den Pranger gestellt und daraufliin des Burgfriedes verwiesen. 16 Der Peggauer Pranger aus dem 18. Jahrhundert ist noch erhalten und steht heute an der Grenze der Gaten Peggau Nr. 38 und Nr. 39. Es handelt sich urn eine runde, ziegelgemauerte Saule mit pro- filierter Deckplatte, darauf eine eingemauerte eiseme Kugel. An der n6rdlichen Seite sind noch Reste einer eisernen Befestigungsttille sichtbar, weiters eine Ose und ein Mauer- loch.17 Doch nicht jeder, der im friedli- chen St. Stefan straffallig wur- de, kam so billig davon. Zwar er- eignete sich selten ein gr6Beres Verbrechen, aber ein schwerwie- gender Fall ist z. 8. fur den 10. Februar 1687 tiberliefert: Auf fri- scher Tat ertappt hatte man den 15 oder 16 Jahre alten Peter Schattenhalmb, geboren bei St. Veit ob Graz. Der Jugendliche war bereits acht Wochen vorher fur einige Tage in die "Keichen" geworfen worden, weil er im Peggauischen Burgfried einen Diebstahl begangen hatte. Kurz danach tiberftihrte die Justiz Schattenhalmb eines weiteren Diebstahls. Er wurde "auf dem Pugl gebrennt", also gebrand- markt, und des Burgfrieds ver- wiesen. Als sich der jugendliche Ge- wohnheitsdieb zum drittenmal bei einem Diebstahl ertappen lieB, wanderte er so fort in den Arrest; die Untersuchung nahm ihren Lauf. Nach eingehender "Examinierung" wurde Peter

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