Geschichte Gratkorns

s]HFEHFERES BffiAEL#eELE USENES sA®EEN WEELTEL]eELE BffifiuseELE Dem kirchlichen Leben kam tiber Jahrhunderten die gr6Bte Bedeutung zu, erst die Industria- lisierung Gratkorns dammte die- se - auch volkskundlich interes- santen - Traditionen empfindlich ein. Nur mehr wenige alte Brau- che, kirchliche oder weltliche, wobei die Abgrenzung nicht im- mer eindeutig vorzunehmen ist, EinfluB der Stadt Graz sowie durch die steigende Zahl von In- dustriearbeitem kontinuierlich in Vergessenheit. Ein Bezirks- vertretungssekretar stellt 1868 fest, der Charakter der hier leben- den Menschen ware "in Folge des haufigen Verkehrs mit den Bewohnern der nahen Landes- hauptstadt schon mehr modifizirt und daher Frontalansicht des vulgo Felberbauer (vom Felbergraben in F}ichtung Norden) nach der groBen Fienovierung im Jahre 1941. (Sammlung Fain. Gredler vulgo Felberbauer) haben sich erhalten. Es ist nicht zuletzt Aufgabe einer Orts- geschichte, diese Traditionen der Vergessenheit zu entreiBen, sic darzustellen und ihren Stellen- wert in einem vormals vorwie- gend agrarisch strukturierten Ge- meinwesen aufzuzeigen. Eine Quelle aus dem Jahre 1820 schildert den Mittelsteirer, wozu "der Gratkorner" zu zahlen ist, als groBe, starke Natur, die sich durch reiches, dunkles Haar,1eb- hafte, braune Augen und eine fr6hliche Miene auszeichnet, weiters strotze besonders das weibliche Geschlecht "von Ftil- 1e der Gesundheit."1 Doch die derart gertihmten Vorztige dieses "Mustersteirers" gerieten - be- reits seit dem frfuhen 19. Jahrhun- dert - durch den nivellierenden schwer wahr- heitsgetreu zu schildem, - doch kann Redlich- keit, Nattirlich- keit und Offen- heit ihnen nicht ab g e I au g n e t werden, nur springen sie nicht immer scharf genug in die Augen, [...].92 Der von Vo r u r t e i 1 e n sichtlich geplag- te Schreiber die- ser Zeilen au- Bert sich weiter: "Im Punkte der Reinlichkeit steht auch das hie- sige Landvolk noch ziemlich schwach, am schwachsten aber in bezug auf die Reinigung des K6rpers. Mancher Bauer bek6mmt nach den ersten Kindesbadern im Mulderl kein Wasser mehr auf den Leib, wenn er nicht etwa im Taumel stiBen Weines in einen Wassergraben plumpst." Die Madchen, so der B ezirksvertretungs sekretar wei- ter, pflegten sich wenigstens am Ostersamstag in Wannen zu ba- den. Der damalige Sekretar der Landwirtschaftsgesellschaft, Hlubek, wuBte wieder zu berich- ten, der Menschenschlag dieser Gegend ware gutmtitig, aber "an alten Vorurtheilen klebend, ist der Landmann auch hier wie an- derswo schwer eines Besseren zu belehren, jedoch den Befehlen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit gehorsam, auch damn, wenn er das Gute seiner Folg- samkeit nicht eben ganz einsieht. Das Neue nimmt er nur dann an, wenn er durch mehrjahrige Er- fahrung davon tiberzeugt worden ist."3 Am schlechtesten aber kommen die Bewohner des Gratkorner Beckens in einer Schrift von 1840 weg, wo es heiBt: "[Der] B ewohner der D6rfer, welche der Stadt Graz naherliegen, ist bos- haft, verschmitzt und hartnackig, von Gastfreundschaft ist keine Spur. Insbesondere ist die Unsitt- 1ichkeit bereits soweit gediehen, daB Dirnen den Burschen den Weg zu ihnen selbst ersparen; Bewohner dieses Bezirkes sind leicht beleidigt, ohne zur Vers6h- nung und andererseits nur zur ErkenntniJ3 [sic] ihrer Schuld ge- bracht werden zu k6nnen. Die haufigsten Vergehungen waren demnach: Diebstahl, Raufliandel undunsittlichkeit,jaunzucht."4 Neben derart tibertriebenen, doch heiter zu lesenden Schilde- rungen bieten sich auch Einblik- ke in reale Lebenssituationen, so etwa in die Wohnverhaltnisse wahrend der Mitte des 19. Jahr- hunderts: "Die Wohnung, sowie die Oekonomie-Gebaude bestan- den fhiher allgemein, und zum Theile noch jetzt, aus Holz, mit Stroh, Schindeln oder Brettern gedeckt und mit Steinen unter- mauert. Doch machen in neue- ren Zeiten die h6lzemen Hauser tiberall sch6nen gemauerten Ge- bauden mit Ziegeldachern Platz, so daB manche D6rfer wie Matk- te aussehen, und hie und wieder sogar ein Stockwerk empoITagt. - Die Rauchstuben werden mei-

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