Geschichte Gratkorns
zeug pl6tzlich einen heftigen StoB erhielt. Jetzt gingen seine Dielen und Balken mach allen Seiten auseinander. Wem es ge- 1ang, der erfaBte einen Balken, oder klammerte sich an die Ruderstange; viele sttirzten in die Fluthen, mehrere fuhren in den mit Wasser gefullten Kahnen bis zur Weinzierlbrfucke, wo diese an einem Joche aufgehalten wur- den. Unter denen, welche sich mittelst eines Balkens mach fast zwei- sttindigem Kampfe mit den Wasserfluthen , wobei sic zu wie- derholtem Male in die Tiefe ge- rissen wurden, retteten, befindet sich der Herr Pfarrer, welcher in der Nahe des Steinbruches bei Schattleiten an das Ufer gelang- te. Lange Zeit hatten sich an sei- nem Halse Kinder angeklam- mert, bis sic von den Wellen weggeschwemmt wurden. Zwei Personen retteten sich noch zu- 91eich mit ihm. Haarstraubend soll es fur die noch Lebenden gewesen sein, als sie bereits zu beiden Seiten neben sich die Leichname, Kopf und Ftisse ab- warts gekehrt, schwimmen sa- hen. Die Zahl der Todten und Geret- teten ist bis zur Stunde, wo ich dieses schreibe, Donnerstag, 20. Mai, noch nicht konstatirt. Eini- ge meinten daB bei 30 Personen gerettet worden, und gegen 80 Personen, hauptsachlich Frauen und Madchen den Tod gefunden hatten. In der hiesigen Gegend wurden 10 Leichen aus dem Wasser gezogen, wovon 9 in St. Stefan in Gratwein [!] beerdigt wurden. Aus dem Pfarrhofe fan- den 3 Personen den Tod. Aus ei- nem Hause Vater und Mutter, aus einem anderen 3 T6chter, aus einem dritten die Mutter von 7 zurtickgelassenen Kindem. Welche Stimmung mach solchem Unglticke unter der B ev61kerung herrscht, kann sich Jedermann leicht vorstellen. Hoffen wir, daB sowohl die christliche Nachsten- 1iebe das hereingebrochene Elend mach Kraften mildem als Beim Gratkorner "Uberfuhrungltlck" am 18. Mai 1875 erwies sich die Weinz6ttelbrdcke als lebensrettend: "Wem es gelang, der er- far3te einen Balken, oder klammerte sich an die Buderstange; viele sttlrzten in die Fluthen, mehrere fuhren in den mit Was- ser geftlllten Kahnen bis zur Weinzierlbrtlcke, wo diese an einem Joche aufgehalten wurden." (Sammlung Horst Ziegler) auch die Resultate der eingelei- teten Untersuchung die Gemtit- her in etwas beruhigen wer- den.„1 Von den 150 Wallfahrern, die sich zum Zeitpunkt des Un- 91ticks auf der Fahre befanden, fanden 101 den Tod in der Mur. In der Folge wurden gegen den Pfarrer von St. Stefan, Pater Columban List, zahlreiche Vor- wtirfe erhoben. Auf Verwunde- rung stieJ3 in erster Linie die Tat- sache, daB, noch dazu bei hohem Wasserstand, nicht die lediglich 1 Kilometer entfernte Brticke beim Fischerwirt benutzt wurde. Die amtliche Untersuchungs- kommission fand jedenfalls kein schuldhaftes Verhalten des Pfar- rers, ein Teil der Opfer wurde am alten Friedhof in St. Stefan, ne- ben der Kirche, begraben, - der Tag ging als schwatzester in der Geschichte St. Stefans in die Annalen ein.
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