Geschichte Gratkorns

REEF®ffiMAT]®N S6hne von steirischen Adeligen und hohen Beamten, die an pro- testantischen deut- schen Hochschulen studiert hatten, brach- ten die Grundlagen der Lehre des Refor- mators Martin Luther ins Land. Schnell hat- te ein GroBteil der steirischen Adeligen die neue Lehre ange- nommen und auch das Volk erwartete sich nicht zuletzt so- ziale und wirtschaftli- che Verbesserungen. Die katholische Kir- che wandte sich frei- 1ich gegen die neuen Lehren und schickte vorerst eine Kommis- sion aus, urn die Lage im Land zu erkun- den.1 Am 14. Juli 1528 kam die Visitations- kommission mach St. Stefan ("Sand Steffan"). Dort waren der Vikar Wollffganng Rasoris, Mi- chael Schnyppel, die Amtman- ner Reuprecht Galee, Hanns am Ho ff und Mert Anglar sowie die Zechmeister Wallthasar am Puhel und Peter in der Awn er- schienen. Die Kommission stell- te rein gar nichts fest und notier- te ins Protokoll: "haben khain irrung glauben halben und den gemain abschidt."2 So k6nnte man also meinen, daB in St. Stefan die Lehren Martin Luthers nicht den geringsten An- klang gefunden hatten. Ein Blick in die umliegenden Pfarren und besonders in die Pfarre Gratwein, zu der St. Stefan damals geh6r- te, bietet ein anderes Bild, sodaB der Verdacht nahe liegt, die Kommission ware entweder ei- nem Schwindel aufgesessen oder sic hatte aufgrund ihrer tibereil- ten Arbeitsweise einiges tiberse- hen. In Gratwein, der Mutter- pfarre von St. Stefan, bekannte etwa der Vikar Yppolitus Hiettennstainer, daB er selbst "et- 1ich tractatl des LutherB kaufft hab" 3 . Gleiches gab auch ein Gesellenpriester zu Protokoll. Und in Sankt Veit am Aigen (heute Pfarre Graz - St. Veit) wollte gar der Pfarrer "nit gesteen, das er wider die jungkhfraw Maria nach wider das gepet der tagzeyt predig habe."4 Weiters kam zutage, daB der in der ganzen Umgebung bekannte Grazer lutherische Pre- diger Herr Prokop Huschimhey in St. Veit predigte. Zahlreiche weitere Personen gaben Aussa- genzuProtokoll,diedochaufein manifestes reformatorisches Ele- ment im Gratkomer / Gratweiner Becken schlieBen lassen.5 Nach wechselvollen Perioden, die hier nicht naher zu erlautem sind, holte Ferdinand 11., im streng jesuitischen Geist erzo- gen, im Jahre 1598 zum ersten groBen Schlag gegen die Prote- stanten aus. Am 16. und 17. Matz des Jahres 1600 hielt sich eine Reformationskommis sion inner- halb der Herrschaft Peggau auf, tiber Aktivitaten in St. Stefan verraten die Quellen nichts. In Peggau jedenfalls verfuhr man folgend: "[...] und weil zu Becka [Peggau] ein Lutherische Capell an die Catholische Kirchen an- gebaut worden, haben sic solche eingefellt und zerst6ret. Inn dem Ftirstlichen marckt Fronleutten, seynd sic bemeldten tag einkom- Am 11. Dezember 1960 erfolg- te die Weihe der evangeli- schen Kirche Gratkorn. Bis da- hin war der evangelische Got- tesdienst in einer Baracke der Papierfabrik abgehalten wor- den. (AG) 1 Vgl. E. Ch. Gerho!d,1996, S.15ff. 2 VP 1528, pag. 69 (S.187). 3 VP 1528, pag. 66' (S.181). 4 VP 1528, pag. 71 (S.190) 5 VP 1528, pag. 71ff (S.190ff).

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