Geschichte Gratkorns

Schmerzhafte Muttergottes (Stein, Beginn 18. Jh.) auf dem alten Fried- hof von St. Stefan. (Foto I. Mirsch) Die Naturalsammlung brachte dem Pfarrer im Jahre 1763 204 MaB1 (1254,61) Kom, 173 Eier und 274 Sttick Kase, bzw. das entsprechende Abl6segeld. Das MaBI Korn entsprach dabei 24 Kreuzern, 13 Sttick Eier drei Kreuzem und das Sttick Kase 13 Kreuzern. Die Gesamtsumme hatte sich demnach auf 48 Gul- den sechs Kreuzer fur Kom, drei Gulden 63 Kreuzer fur Eier und 35 Gulden 62 Kreuzer fur Kase, - zusammen also 88 Gulden 21 Kreuzer belaufen mtissen. Tat- sachlich waren jedoch nur 28 Gulden 36 Kreuzer fur Korn und 13 Gulden fur Kase und Eier, zu- sammen also 41 Gulden 36 Kreuzer, also nicht einmal die Halfte, zu verzeichnen. Nach al- tem Brauch hatte tibrigens der SchulmeisterimBerglandfurdie Einbringung der Naturalabgaben zu sorgen, in der Ebene erledig- te dies der Pfarrer von St. Stefan selbst. Lediglich die Garben hat- te auch hier der Schulmeister ein- zubringen. Der Zehent trug den Pfarrer etwa 90 bis 100 Schober (ein Schober entsprach etwa 60 Getreidegarben) an Weizen, Ha- fer und Korn ein, was einem Geldwert von etwa 60 Gulden entsprach.DieserZehentkamur- sprfunglich dem Stift Rein zu, er wurde jedoch vom Stift als "gratiale pro honestiori sustentiane" tiberlassen, was in etwa einem Sonderverm6gen des Pfarrers entsprach. Laut einer Rektifikation trugen die zum Pfarrhof geh6renden Grundsttik- ke 45 Gulden und 45 Kreuzer ein. Die Stolgebtihren, ausge- nommen Amter und Messen, betrugen 35 Gulden, Einktinfte aus dem Beichtkreuzer 21 Gul- den. Den Beichtkreuzer erhielt der Beichtvater hauptsachlich bei der Osterbeichte. Das durchschnittliche Einkom- men eines Pfarrvikars in St. Ste- fan gliederte sich urn die Mitte des 18. Jahrhunderts somit wie folgt auf: Beichtkreuzer 21 Gulden Stolgebtlhren 35 Gulden Kornsammlung 28 Gulden 36 Kreuzer Eier- und Kasesammlung 13 Gulden Ertrag aus Grundsttlcken 45 Gulden 45 Kreuzer Zehent 60 Gulden Urn die weiteren wirtschaftli- chen Grundlagen des Pfarrhofes sicherzustellen, war der Pfarrer zum AbschluB von Vertragen be- rechtigt, die eine ausreichende Versorgung des Pfarrhofes mit Wasser, Holz etc. gewahrleiste- ten. So etwa wurde im Jahre 1796 zwischen den Pfarrer Be- nedikt Hochkofler und den Bau- ern Andreas Dorn (vulgo Kirchenstrobl) und Thomas Staudegger (vulgo Diwald- schneider) ein Vertrag abge- schlossen, der die Wasser- nutzungsrechte des Pfarrhofes regelte. Die beiden Bauern ver- pflichteten sich zur Errichtung eines Brunnens und zur Verle- gung der Brunnenr6hren bis zum Pfarrhof. Dafur muBte Andreas Dorn anstatt zwei gehaufter "Grazer MaBeln" Kom und zwei KaselaibejahrlichnureinMaBel Kom an den Pfarrer abzufuhren; Thomas Staudegger anstatt eines gehauften MaBels Kom und zwei Laiben Kases nur die zwei Kase- laibe. Mit den Reformen des Jahres 1848 und mit der Aufl6sung der Grundherrschaften, anderten sich auch die wirtschaftlichen Grundlagen des Pfarrvikariates St. Stefan. Im Jahre 1878 wurde die Pfarr- und Mesnersammlung durch Geldabgaben abgel6st. Je- der Grundbesitzer hatte, je nach Gr6Be und Ertrag seines seines Bodens, einen festgesetzten Be- trag zu entrichten. Dieses System wurde, vereinfacht ausgedrtickt, erst durch die Einfuhrung des Kirchenbeitrages abgel6st.

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