Geschichte Gratkorns

Landwirtschaft beschaftigt, 1ediglich an der Post- und KommerzialstraBe gab es Wirte, Schmiede, Schuster und Weg- macher, bzw. Pfarrer, Weber und Schneider im Dorf St. Stefan. Die Grtindung der Papierfabrik (1839) und deren verstarkte Ex- pansion bewirkten einen konti- nuierlichen Aufschwung. Man vermag diese tibergeordne- te Bedeutung der Papierfabrik wohl daran ermessen, daB die Herstellung von Zellstoff und Papier einer Industriesparte zu- zurechnen ist, deren mittlerer Anfall an Abwassern Ende der 80er Jahre 200 m3 je Tonne ver- arbeiteter Rohstoffmenge be- trug.23 Die tiber ein Jahrhundert ausschlieBlich mit Chlorbleiche arbeitende Papierfabrik erzeug- te giftige Abwasser von durch- schnittlich 300 I/sek; der Bedarf an Dampf und elektrischer En- ergie wurde und wird in erster Li- nie durch chalorische Kraftwer- ke gedeckt, die ihrerseits durch den hohen AusstoB von Schwefeldioxyd (S02), Stick- oxyden (NOx), Kohlenmonoxyd (CO), sonstigen Emissionen so- wie Staub erheblich die Luft- qualitat beeintrachtigen. Beson- ders die S02 - Emissionen scha- digen Baume, fordem die rasche Korrosion von Bauwerken, be- einflussen das Witterungs- geschehen und wirken sich nicht zuletzt negativ auf die Lungen- funktion aus.24 Als entscheidend fur die Quantitat der S02 -Emis- sionen sind in erster Linie die schwefelhaltigen Brennstoffe Heiz6l (schwer) und Braunkoh- le anzusehen. In disem Zusammenhang wurde die Luftqualitat im Gratkorner Becken spatestens Ende der 70er Jahre zu einem Diskussionsthe- rna ersten Ranges. Im Zuge die- ser Diskussion erbrachte eine von R. Lazar im Jahre 1979 pu- blizierte Studie tiberraschende Ergebnisse: Wahrend der Nacht- stunden herrscht im Gratkomer Becken Talwind, der in Boden- nahe einen KaltluftabfluB be- wirkt uns sich an der MeBstati- on StraBengel / Kirche in S02 - Spitzen bis 0,8 mg/m3 manife- stierte, wobei die Werte an der Terrasse urn 0,1 mg/m31agen. Einige Stunden nach Sonnenauf- gang erreicht der Talabwind sein Maximum, wahrend aus Stiden (Raach) der Talaufwind einsetzt und in Gratkom der Talabwind noch anhalt. Nach Aufl6sung der nachtlichen Inversion setzt sich der Talaufwind mach Nord und Nordwest durch, die S02 - Wer- te steigen im Stidwesten des Bek- kens an. Besonders wahrend der ersten Stunden des Talaufwindes gelangt teils stark vorbelastete Luft aus dem Norden von Graz ( !) durch die Talenge von Raach mach St. Stefan, bzw. in das 6st- 1iche Gratkomer Becken.25 -Dies bedeutet also, daB die Qualitat der Gratkomer Luft zu 50 Pro- zent von der Papierfabrik beein- fluBt wird, wahrend die andere Halfte der Belastungen Grazer Herkunft ist. Die Verminderung der Schadstoffquellen im Gemeindegebiet (Papierfabrik und Hausbrand) wird daher seit Ende der 70er Jahre intensiv be- trieben. Die Beheizung der Gemeindebauten mittels Fern- warme (seit Dezember 1983) und die bedeutenden Investitio- nen der Papierfabrik in umwelt- freundliche Produktions- verfahren geben davon Zeugnis. Bleiben wir jedoch vorerst der historischen Betrachtungsweise verhaftet: Blattert man die offi- ziellen Publikationen der Leykam - Josefsthal (bzw. Leykam - Mtirztaler AG) durch, so findet sich bis etwa zum Be- ginn der 70er Jahre kein Hinweis auf die Tatsache, daB das Werk Gratkom zu den 6kologisch pro- blematischen Industriebetrieben zahlt. „Den Laien", so lassen es die Medien 1962 noch stolz wis- sen, „beeindruckt vor allem der giganti sche Was serverbrauch zur Papierherstellung, wird hier doch eine so groBe Menge Wasser pro Tag ben6tigt, wie in GroB - Graz (pro Tag) von tiber einer Viertel- million Menschen Wasser ver- braucht wind ...". Ansonsten be- n6tigte die Papierfabrik (Werte von 1960): 212.000 Festmeter

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