Geschichte Gratkorns

Nachdem das K6nigreich Norikum durch den intensiven wirtschaftlichen Kontakt mit Rom sukzessive seine Souvera- nitat verloren hatte, richtete Kai- ser Claudius urn 45 n. Chr. Norikum formell als r6mische Zivilprovinz ein.1 Ein GroBteil des Gebietes der heutigen Stei- ermark wurde vom Munizipium Flavia Solva aus verwaltet. Die- ses Verwaltungsgebiet erstreck- te sich von stidlich der Drau bis in die Obersteiermark, m6gli- cherweise bis zum Alpenhaupt- kamm. Die heutigen Bezirke Murau, Judenburg, Knittelfeld und Liezen geh6rten zu den Ter- ritorien der Munizipien Virunum (Zollfeld/Karnten), Ovilava (Wels), Lauriacum (Enns) und wahrscheinlich auch zu Juvavum (Salzburg). Die Verwaltungs- grenze dtirfte ungefahr dem Siedlungsgebiet oder Herr- schaftsbereich des hier ansassi- gen keltischen Stammes entspro- chen haben.2 Innerhalb der Stadtbezirke siedelte man in D6rfern (vici) und Gutsh6fen (villae). Bedeutende vici wurden in Kalsdorf und Gleisdorf ausge- graben, Gutsh6fe und Landsitze in Thalerhof, L6ffelbach, Katsch und Grtinau (GroB St. Florian), urn nur die bedeutenderen zu nennen.3 Besondere Bedeutung kam da- mals auch dem durch das mittle- re Murtal fuhrenden Verkehrs- weg zu. Zwar bestand zwischen dem Grazer Feld und dem Mur/ Mtirz-ZusammenfluB sicher be- reits frtiher ein Verkehrsweg, doch planmaBig erhalten und ausgebaut wurde er erst in der R6merzeit. "Uber Frohnleiten hinaus kennen wir entlang der Mur keine Funde aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., die eine wichtige StraBe entlang des Flus- ses ins Oberland erharten k6nn- ten."4 Diese r6mische Staatsstra- Be, sie wird in den antiken Quel- 1en nicht genannt, ftihrte von Flavia Solva tiber den Buchkogel (Wildon), Thalerhof, Feld- kirchen, Alte PoststraBe, Grat- wein, Kugelstein, Adriach an der westlichen FluBseite der Mur mach Bruck, das mit dem r6mer- zeitlichen Poedicum gleichge- setzt wird. Bezeugt ist diese Stra- Be unter anderem durch Funde von Meilensteinen in Feld- kirchen / Lebem und Deutsch- feistritz.5 R6merzeitliche Grab- inschriften sind aus Judendorf, Gratwein, Rein, Kleinsttibing, Deutschfeistritz, Prenning, Kugelstein und Adriach, bzw. aus Semriach und Pfannberg be- kannt.6 Auf dem 544 in hohen Kugel- stein befanden sich eine gr6Bere Siedlung (Bltitezeit im 3. Jh.) sowie eine dem Herkules und der ViktoriageweihteTempelanlage. Am NordfuB des Kugelsteins, ehe die R6merstraBe zur Stei- gung ansetzt, tibersetzt sie eine gut erhaltene r6merzeitliche StraBenbrticke. Aus der turbu- lenten Mitte des 3. Jahrhunderts stammt der Mtinzschatzfund von Adriach (Rothleiten).7 Auch das Gebiet stidlich des Kugelsteins war in der Antike dicht besiedelt. Hingewiesen sei auf die r6mischen Villen bei Kleinsttibing und Judendorf - StraBengel und auf das Graber- feld Sthbing.8 Ftir die Besiedlung des Gebietes der heutigen Marktgemeinde Gratkorn in r6mischer Zeit gibt es mannigfache Zeugnisse. In 0,25 in Tiefe konnte im Bin- gangsbereich der Zigeunerh6hle F}6merzeitliche Mtlnze, gefunden im Oktober 1923 in der Emmalucke. Pragung des Bar Kochba vom zweiten jtldischen Aufstand (132 -135 n. Chr.). (Landesmuseum Joanneum, Abt. Mtlnzensammlung, SchloB Eggenberg) (Foto E. Kolle)

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