Geschichte Gratkorns
schuB, konnte dringenden Be- darfsfallen entsprochen werden, doch bleibt die Nachfrage nach Bezugsscheinen ftir Schuhe, Kleider und Wasche fur Werk- tatige gleich rege." 23. Janner 1946: „Der Zuzug ausgewiesener Volksdeutscher aus der Tschechoslovakei und Jugoslavien ist schon sehr stark. Im Hinblicke auf die Zuzugs- sperre k6nnen Zuwanderer im Gemeindegebiet keine Aufnah- me finden. Es wird als eine Hat- te empfunden, daB 6sterreichi- sche Staatsbtirger in anderen Landern ausgewiesen werden, wahrend vielen Auslandern und Reichsdeutschen hier noch das Asylrecht gewahrt wird." 21. Februar 1946: „In der Bev61- kerung herrscht allgemein der Wunsch vor nach Freilassung der 6sterr. Kriegsgefangenen. So- wohl in Industrie und Gewerbe, wie auch in der Landwirtschaft besteht sehr stark fuhlba- rer Mangel an Arbeits- kraften." 7. Matz 1946: „Mangel an Arbeitskraften in Indu- strie, Gewerbe und Land- wirtschaft. Letzterer macht sich in Rticksicht der beginnenden Feldar- beit besonders empfind- 1ich fuhlbar." 2. Mai 1946: „Die Feiem des 1. Mai verliefen im ganzen Gemeindegebiet ruhig und unter Einhaltung de- mokratischer Prinzipien. Ge- trennte Umztige und Versamm- 1ungen wurden nur von der Spa und KPO, bei ersterer mit sehr groBer Beteiligung, bei letzterer mit sehr geringer Beteiligung, abgehalten. Die OVP trat am 1. Mai in keiner Weise in Erschei- nung." 16. Mai 1946: „Nach wie vor sind die Beschwerden der Bev6l- kerung groB, da sich der Mangel an Kleidern, Wasche, Schuhe, Geschirr und anderen Haushalts- gegenstanden katastrophal aus- wirkt. Die Leute k6nnen die Kin- der nicht zur Schule schicken." Mit 10. Juli 1946 enden die w6- chentlichen Berichte der Ge- meinde an die 31. FSS. An der katastrophalen Versorgungslage anderte sich vorerst nichts. Im Juni 1946 erhielten die Gratkorner folgenden Kalorien- satz pro Tag zugeteilt. Zu Weihnachten 1946 hatte die Knappheit an Rohstoffen derar- tige AusmaBe erreicht, daB die Papierfabrik wegen Kohle- und Energiemangels die Produktion einstellen muBte. Erst am 31. Marz 1947 konnte mit etwa 800 Mitarbeitern der Betrieb wieder aufgenommen werden.21 Im Jahr darauf hatte sich die Lage soweit stabilisiert, daB anlaBlich des 75. Jahrestages der Ubernahme durch den Konzern an die Arbei- ter und Angestellten eine Grati- fikation ausgegeben werden konnte: 1 kg Schmalz, 1 kg Zuk- ker, 1 kg Mehl und etwa 200 Schilling pro Mitarbeiter. Das Altagsleben in der Gemein- de hatte sich 1947 soweit gefe- stigt, daB die erste gr6Bere 1 . Mai - Feier nach dem Krieg veranstal- tet werden konnte. Ganz wie in den Zeiten vor 1934 sammelten sich Sozialisten, voran Kinder, „Rote Falken"und Radfahrer, Lebensmittelverteilung der briti- schen Militarregierung an Gratkorner Kinder bej der alten Werksrestauration am 19. Marz 1946. Linke Gruppe von rechts: Oberst A. P. Block, Bezirkshaupt- mann Dr. Sutter, Bdrgermeister lng. Sieber und Werksarzt Dr. Walter. (AG)
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