Geschichte Gratkorns
YON !945 B!S FUR ®E®ENWARHFH In der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 trat die Gesamtkapitulation der Deutschen Wehrmacht in Kraft, gegen 2 Uhr am 9. Mai rtickte die Sowjetarmee, von der Ries her kommend, in Graz ein. Am Vormittag des 9. Mai stan- den sowjetische Truppen in Andritz. Ing. Rupert Sieber, Werksarzt Dr. Otto Walter und andere beherzte Manner bildeten ein Befreiungskomitee und be- schlossen, den Russen entgegen- zufchren, urn den Ort offiziell zu tibergeben. In Weinz6ttl traf man auf die ersten Russen: die h6r- ten interessiert zu, was das Be- freiungskomitee zu sagen hatte, beschlagnahmten kurzerhand das Auto und schickten das Be- freiungskomitee zu FUB nach Gratkom zurtick.1 provisorischen Landesregierung die Bemtihungen nach Aufrecht- erhaltung der Ruhe und Ordnung durch klaglose und verstandige Amtsfuhrung [zu] untersttit- zen."2 Trotzdem dieses Schrei- ben erst am 23. Mai in Gratkom eintraf, bekleidete Franz Sametz noch bis 16. Mai das Amt des Btirgermeisters. Er wurde an- schlieBend verhaftet und im La- ger Wolfsberg intemiert. Seine Amtsfuhrung wthrend der NS - Zeit ist als korrekt zu bezeich- nen. Am 17. Mai fand im Gemeinde- amt die konstituierende Sitzung des neuen (provisorischen) Ge- meinderates statt. Spa, OVP und KP6 einigten sich auf folgende Mitglieder: §i 1 Fragmente zur Geschichte der MG Gratkorn, verm. verfaBt von Hil- de Kamper (AG). 2 Schreiben des Landrates des Land- kreises Graz (Gz. 00304) an dle MG Gratkorn (Gz. 040 (AG)). 3 Aufstellung vom 19. Mal 1945 (8 - 005/1) (AG), Schre!ben der BH Graz, ZI. 1 G 1/5 ~ 45 vom 25. September 1945 (AG). 4 E. Htltter,1960ff. 5 Aktenkomplex 120/1 (AG). :(i:"J`"..,`«j~`.(",.~..w..T..".&.i Btlrgermeister Oberingenieur 1. Bgm. - Stellvertreter 2. Bgm. - Stellvertreter Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Gemeinderat Am selben Tag (9. Mai 1945) erlieBderLandratdieVerfugung, die Btirgermeister hatten ihre Amtsgeschafte weiterzufuhren und „gemaB den Intentionen der Plupert sieber SPO Josef Graf KPO Karl schimek OVP Wilhelm Partbauer SPO Johann Krebs SPO Franz F}anetbauer SPO Alois strommer SPO Karl Brunner KPO Engelbert Brunner KPO Karl Byza KPO PupertNeuhold KPO Pudolf Jocher OVP Josef Gaksch OVP Johann Lanz OVP Friedrich Auer OVP Am 25. September 1945 wurde aufgrund eines Erlasses der bri- tischen Militarregierung die An- zahl der Gratkomer Gemeinde- rate auf sieben verringert: R. Sieber, W. Partbauer, J. Krebs, J. Graf, R. Neuhold, K. Schimek und J. Lanz.3 Die Anwesenheit sowjetischer Soldaten fuhrte auch in Gratkom zu vereinzelten Ubergriffen und Pltinderungen, von denen ein nicht geringer Teil auf das Kon- to von Einheimischen ging.4 Be- sonders in den ersten beiden Wochen nach Kriegsende ver- breiteten die Befreier Furcht und Schrecken. Neben Diebstahlen sind hier vor allem die Vergewal- tigungen zu nennen, derer sich die sowjetischen Besatzungssol- daten schuldig machten. Bereits am 14. Mai 1945 war aus diesen Grtinden die „Schutzwache - Abteilung Dult und Umgebung" unter der Leitung von Dir. Ing. Anton Wultsch gegrtindet wor- den. Sie bestand bis 18. August 1945 und hatte ihr Hauptquartier im ehemaligen Lazaristenkloster in der Dult, das zuletzt als NSV - Heim in Verwendung gestan- den hatte. In 57 Ausrtickungen verhinderten die 24 Freiwilligen argere Ubergriffe der Russen. Die Vorfallensberichte5 Wultsch' vermitteln einen der vielen Aspekte der unmitelbaren Nach- kriegszeit. So berichtet Wultsch davon, daB die sowjetischen Kommandostellen (ein General wohnte bei Dr. Kschir) strengen Befehl gegeben hatten, jede Aus- schreitung zu unterlassen. Trotz- dem spielten sich Ereignisse wie zum Beispiel folgende, ab: „Gestern [24. Mai 1945] sind wieder drei bewaffnete Russen aufdemHarthopferischenBesitz (Maldeghem) zum bekannten Zwecke auferschienen. Durch auBerordentlich rasches Eingrei- fen der Dulter Schutzwache ist gr6sserer Schaden verhtitet wor- den. Heute [25. Mai 1945] urn ca.11 Uhr sind wieder sieben
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