Geschichte Gratkorns
EiEN ®AREE pEffi§®ENEL]eREE§ HA®EBus8RE Geschichte wird gemacht. Meist von den Machtigen tiber die K6pfe der Kleinen hinweg. Ge- schichte wird auch geschrieben. Objektiv festgehalten und so fur nachfolgende Generationen als Verstandnis ihrer eigenen Welt greifbar. Aus der Geschichte k6nnen aber auch Geschichterln werden. Re- det man mit Menschen tiber die Geschichte, damn erzahlen sie diese aus ihrer eigenen Sicht. Die Authentizitat bleibt dadurch ge- wahrt, die Objektivitat hingegen verschwindet, weil fur den ein- zelnen andere Dinge wichtig wa- ren. Ein erlebtes Tagebuch ent- steht, voll mit oft banalen Klei- nigkeiten, mit Erinnerungen, die durch die Jahrzehnte des Zurtick- liegens oft nicht mehr den histo- rischen Fakten entsprechen. Aber es sind pers6nliche Rtick- blicke auf ein Leben, auf eine Zeit, in der Osterreicher auf ihre eigenen Landsleute schossen, auf eine Zeit, in der die Welt fast zu Grunde gegangen ware. Im fol- genden sollen nun Gratkorner zu Wort kommen, Frauen und Man- ner, die ihre Eindrfucke aber auch ihre Schicksale schildern wer- den. Sic werden Fakten nennen, die in keinem Geschichtsbuch oder Archiv zu finden sind, sie werden die Geschichte Grat- korns darbringen, und doch wer- den sic schluBendlich auch -je- der von ihnen - ihre eigene Ge- schichte erzahlen. Das Jahr 1934: das Ehepaar I. Curie und F. Joliot entdeckt die ktinstliche Radioaktivitat, in den 6sterreichischen Kinos lauft der Film "Maskerade" von Willi Forst mit Paula Wessely, Hitler macht sich in Deutschland zum Ftihrer und Diktator, 6sterreichi- sche Arbeiter, formiert im Republikanischen Schutzbund, unterliegen in blutigen Kampfen den klerikalen Austro- faschismus. Hardl Walkner, geb. 22. Okto- ber 1909, Tausendsassa, erinnert sich an das Verhaltnis Schutz- bund - Heimwehr bis zur bei- nahen Katastrophe am 12. Febru- ar 1934: "Den Gratkorner Schutzbund gab es schon 1927, als ich in die Leykam kam. Ich bin dann auch beigetreten, wir muBten da mar- schieren und auch exerzieren. Das war so tlblich, dar3 die Arbeiter bei der Partei, der Gewerkschaft und auch beim Schutzbund waren. Frtl- her war das seibstverstandlich. Es gab nur ganz wenige, die nein zur Par[ei gesagt haben. Der Schutzbund ist beim Schmied- bauer oder im Gewerkschaftshaus zusammengekommen, das war je- den Samstag und Sonntag often, da konnten die Leute ihre Mitglieds- beitrage einzahlen. Auch die Funk- tionare von den anderen Vereinen kamen da zusammen, urn sich ge- genseitig zu beraten, Veranstaltun- gen zu planen oder das ktlnftige po- litische Vorgehen zu beschlieBen. Der Trachtenverein Gratkorn po- siert vor dem Gasthaus Weingrill in Friesach. In der ersten Beihe rechts die beiden Kafer Dirndln, die immer extravagant sein woll- ten - so auch mit ihrer eigenen Tracht. (Sammlung Mtlllerwirt) Die Theatergruppe, deren Mit- glieder vorwiegend Gratkorner Bauern waren, spielte bis in die 30er Jahre hinein regelma- Big beim Gasthaus Pucher. (Sammlung Fanninger)
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