Geschichte Gratkorns

Gratkorn,i. Mai 1938. Man fei- erte nicht mehr den "Tag der Ar- beit" sondern den "Tag der natio- nalen Einheit". Der Kommentar des Schreibers auf der Bucksei- te dieser Ansichtskarte vom 14. Juni 1938 lautet: "Wieder im Be- triebe und sende hier einen klej- nen Teilausschnitt aus der Fabriksbelegschaftsfeier am 1. Mai 1938 in der ehemals roten Hochburg." (AG) von den Grazern sttirmisch be- jubelt wurde. Sonntag abend be- schloB ein Fackelzug, an wel- chem sich rund 2000 Volksge- nossen beteiligten, wtirdig den Tag des deutschen Volksent- Scheides."30 Vorerst wirkte sich der "An- schluB" ftir die meisten Gratkorner positiv aus. Der Stand der Arbeitslosen reduzier- te sich von 124 (Ende 1937) auf 0. Am 13. Mai 1938 besuchte Dr. Robert Ley, Reichs- organisationsleiter der NSDAP und Ftihrer der Deutschen Arbeitsfront, Gratkom. Die Ar- beiter sollten sehen, daB sich das neue System ihrer annahm. Ley "unterzog die Papierfabrik einer Besichtigung und veranlaBte die Abstellung verschiedener Ubel- stande im Betriebe. Seine An- kunft erfolgte vollkommen uner- wartet und verursachte bei der Ftihrung des Betriebes einigen Schrecken. Die Worte Dr. Leys an die versammelte Arbeiter- schaft wurden von dieser freudig aufgenommen. Noch lange mach seiner Abreise standen die Arbei- ter in Gruppen beisammen und sprachen voll Hoffnung und Zu- versicht tiber den Besuch. Beson- ders die mangelhaften sanitaren Anlagen im Betriebe veranlaBten Dr. Ley mit energischen Worten zur Beseitigung dieses Ubels. Im Gegensatz zu den frfuheren Be- suchen der Fabrik, die immer mit festlichen Empfangen begannen und mit Festessen ihren Ab- schluB fanden, erfolgte dieser Besuch ohne allem Geprange und galt ausschlieBlich der Ar- beiterschaft", vermerkt die Gendarmeriechronik. Der Mai 1938 brachte den Gratkornern auch ein Hochwas- ser biblischen AusmaBes. In der Nacht zum 22. Mai wurden die Gratkomer Wehren und Gliede- rungen der NSDAP alarmiert, die unverztiglich nit SicherungsmaBnahmen began- nen. Das Haus des Fabriks- arbeiters Pensold wurde durch die Wassermassen vemichtet, am Wehr bei der Zigeunerh6hle sammelten sich angeschwemm- te Baumstamme und sogar weg- gerissene Brticken. Die Uber- fuhr, die sich beim heutigen Uberfuhrweg befand, wurde v61- 1ig zerst6rt, die GrazerstraBe bei Weinz6ttl unterbrochen. Der Werksarbeiter Vinzenz Stieber sttirzte bei Sicherungsarbeiten am Kraftwerk in die Mur und fand den Tod.31 Die Gleichschaltung Osterreichs , das nun Ostmark hieB, an das Deutsche Reich ging schnell vor sich. Der Schilling muBte zu ei- nem auBert ungtinstigen Kurs

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