Geschichte Gratkorns
A EL# s HF ffi ® F A s e EL I a M us a Es geh6rt zur weitverbreiteten "Opfer - Theorie", daB 6ster- reich erst am 13. Matz 1938 sei- ne Freiheit verlor und damit das Ende der Republik vollzogen war. In Wirklichkeit begann das Sterben der Ersten Republik spa- testens am 15. Marz 1933. An diesem Tag verhinderte die Staatspolizei auf Befehl der christlichsozialen Regierung DollfuB die Wiedereinberufung des Parlamentes, das sich am 4. Marz aus nichtigen Grtinden durch den Rrticktritt aller drei Parlamentsprasidenten zur Handlungsunfahigkeit ver- dammt hatte. Am 30. Marz 1933 verbot die Regierung den Repu- blikanischen Schutzbund, Bun- deskanzler Dr. DollfuB naherte sich immer mehr dem italieni- schen Faschismus an, am 27. Mai 1933 traten schwerwiegen- de Wirtschaftssanktionen Hitler - Deutschlands ("Tausend - Mark I Sperre") gegen Osterreich in Kraft. Am 11. September 1933 proklamierte Bundeskanzler Dr. DollfuB den autoritaten Stande- staat. Bei all den wirtschaftlichen Pro- blemen innerhalb der Gemeinde sah sich Btirgermeister Kamper in zunehmendem MaBe mit ei- nem fur ihn untragbaren politi- schen Stil auf kommunaler Ebe- ne konfrontiert. Zudem war Kamper, der im 66. Lebensjahr stand, bereits von einer schwe- ren Krankheit gezeichnet, sodaB er sich zum Rticktritt entschloB. Am 15. August 1933 schrieb er "an den verehrlichen Gemeinde- rat in Gratkom": (siehe nebenstehender BrieD Anton Kamper verstarb am 2. September 1935 in Graz. Nach- folger Kampers im Amt des Btir- germeisters wurde der Sozialde- mokrat Wilhelm Partbauer, der sein Ant am 1. August 1933 antrat. Wilhelm Partbauer wur- de am 2. April 1900 in W611ers- dorf (Wiener Neustadt) geboren und kam am 26. Juli 1920 mach Gratkom. Vier Jahre danach hei- ratete Partbauer Helene Wohl- 1eitner, bereits in seiner Heimat hatte er sich aktiv ftir die sozialdemokratische Partei engagiert.Partbauer, der dem Republikanischen Schutzbund sehr nahestand, ging mit den po- 1itischen Gegner ungern Kom- promisse ein. Mit einem Stim- menanteil von tiber 53 Prozent bei den letzten freien Gemeinderatswahlen verfugten die Sozialdemokraten in Grat- kom tiber eine solide Basis, trotz- dem waren die Probleme nur schwer in den Griff zu bekom- men. Die Papierfabrik hatte mit der Wiftschaftskrise zu kampfen; der Beschaftigtenstand lag 1936 bei 968 Mitarbeitern, bereits 1889 war dieser Stand erreicht worden. Ende Juli 1937 sahen sich 1 24 Gratkomer dem Fcktum der Arbeitslosigkeit gegentiber- gestellt. Brief Bdrgermeister Anton Kampers an den "verehrlichen Gemeinderat" anlaBIich seines F3dcktrittes. (Gratkorn, 15. August 1933): ``[...I Es ist gewit3 viel Mut und Aufopferung notwendig ge- wesen, urn alle Aufgaben, die in der Nachkriegszeit gestellt wa- ren, zu erfullen. Aber solange ich gesund war, hat es mich immer mit Freude erftlllt, den Armen zu helfen und in der Not beizuste- hen und jedermann, wo es not- wendig war, als Berater zu die- nen. Ich hoffe, daB auch mein Nachfolger im gleichen Sinne sein Amt durchftlhren wird. Mit freundichen Grtlr3en Anton Kam- per." (AG)
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzE=