Geschichte Gratkorns

Die Gratkorner Heimwehr. (AG) aufzubieten sei." Lendecke, Lei- ter der Heimwehren in Gratkorn, Gratwein und Judendorf, fuhr mit dem Motorrad mach Eggen- feld, Worth und Friesach, wo er alle Heimwehrgruppen mobili- sierte. Danach begab sich Lendecke zum Hof vulgo Gangl in Gratkorn 171 (damaliger Be- sitzer Johann Trinkl), wo die Heimwehr tiber ein geheimes Waffenlager verfugte und die eintreffenden Heimwehrmanner bis an die Zahne ausgertistet wurden. Inzwischen begannen auch bei den H6fen vulgo Faibl auf der Jasen (Peter K6berl) und beim Sagewerk des Alfred Stangl hektische Aktivitaten, denn dort hatte die Heimwehr je ein Maschinengewehr versteckt. SchlieBlich begab sich die Heim- wehr auf den Hausberg, wo un- ter der Ftihrung von Heinrich Heyssler auch die Heimwehr- leute aus Friesach, worth und Eggenfeld eintrafen. Eine Grup- pe von etwa 50 Bewaffneten spahte also vom Hausberg aus ins Gratkomer Becken. Warum, das wuBte freilich niemand so genau, denn "von dem beabsich- tigten Putschversuch des Dr. Walter Pfriemer [recte: Pfrimer] , der darin lag, die dermalige Re- gierung zu sttirzen und sich als Diktator aufzuspielen, dtirfte die hiesige Heimwehrgruppe wenig oder gar nichts gewuBt haben [...]."14 So zumindest die Dar- stellung der Gendarmerie, die sich im Umgang mit Heimwehr und Heimatschutz durch dezen- te Zurtickhaltung auszeichnete. Die Gendarmerie Gratkorn wur- de tiberhaupt erst von sozialde- mokratischen Arbeitern verstan- digt, die mit einigem Schrecken meldeten, "daB sic oberhalb der Kirche Heimwehrleute in voller militarischer Ausrtistung trafen und daB auch der Hausberg be- setzt sei."15 -Nicht nur der war besetzt, auch die Brticke mach Gratwein wurde von Heimwehr- 1euten mit einem Maschinenge- wehr bewacht. - Die Gendarme- rie unternahm dagegen nichts, 1ediglich der Arbeiterschaft ka- men die Ereignisse reichlich ver- dachtig vor: "Gegen 12 h konn- te sich der [Gendarmerie]Posten vergewissern, daB es in der Ar- beiterschaft gahre, der [sozialde- mokratische] Schutzbund bereits in einer Starke von 300 Mann im Gasthause Schmiedbauer Bereit- schaft halte" und Stimmen laut werden, die Heimwehr vom Hausberg herunterzuholen. Pro- minente Sozialdemokraten, dar- unter Btirgermeister Anton Kam- per, sprachen am Posten vor und forderten das Einschreiten der Exekutive, widrigenfalls der Schutzbund den Hausberg sttir- men werde. Diese Nachricht wurde von Gendarmen an die Heimwehr am Hausberg weiter- geleitet; Augenblicke danach war der Hausberg leer. AnlaBlich von in der Folge durchgefuhrten Hausdurchsuchungen wurden ein Maschinengewehr, vier Munitionsverschlage, sechs MG - Gurten mit 750 Patronen und drei Gurten nit 376 Patronen, etwa 1000 Mannlicher - Patro- nen, 31 Gewehre und weitere Ausrtistungsgegenstande aufge- funden.16 - Kurzum, die ganze Aktion war sttimperhaft organi- siert und der damalige Landes- hauptmann Dr. Rintelen, drei Jahre spater selbst aktiv am Putsch der Nationalsozialisten gegen seinen Parteigenossen Bundeskanzler Dr. Do'11fuB betei- 1igt, bezeichnete diesen Putsch wohl mit Recht als "b'soffene G'schicht".17 Im Gemeinderat herrschte rela- tive Ruhe, was nicht zuletzt der Besonnenheit und dem ausglei- chenden Wirken Anton Kampers zu verdanken war. Die Kandida- tenlisten ftir die letzten Gemeinderatswahlen der Ersten Republik haben sich erhalten und liefern, auBer bekannten Namen, weitere interessante Aufschltis- se zur Zeitgeschichte.

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