Geschichte Gratkorns
Die Wunden des Ersten Welt- krieges, so Heese weiter, waren fast verheilt, gegen das bestehen- de Elend gelte es energisch zu kampfen. In der Tat herrschte zu jener Zeit unter den Gratkornern bedrtik- kende materielle Not. Arbeitslo- sigkeit, mangelnde Ernahrung, fehlende Bekleidung, Woh- nungsnot und Brennstoff- knappheit bildeten die gr6Bten Sorgen. Als Folge waren allein im Jahre 1932 zwei schwere Diphterieepidemien zu verzeich- nen, bei der etwa zwei Drittel der Schulkinder erkrankten. Die Papierfabrik und die Ge- meinde reagierten unverztiglich auf die veranderten wirtschaftli- chen Verhaltnisse. Als fur diese Zeit - auch in Hinsicht auf die Beschaftigungspolitik - wichtig- stes Projekt der Leykam - Josefsthal AG muB der Bau der Wehranlage und des Elektrizi- tatswerkes in den Jahren 1921 bis 1925 genannt werden. Diese Pro- jekte erregten international Auf- sehen: "Die Aufgabe bestand sohin hauptsachlich darin, die erlittene EinbuBe durch weitest- gehende Intensivierung der Lei- stungen unter grtindlichster Okonomisierung der Betriebe wettzumachen. Der GroBteil die- ses Ausgleiches fiel naturgemaB dem bedeutendsten Konzern- werke Gratwein zu, das zum 6sterreichischen Ausfuhrhafen Triest ebenso vorteilhaft situiert ist wie zum Verbrauchszentrum des Inlandes, der Bundeshaupt- stadt Wien, sowie Dank seinen Einrichtungen geeignet ist, her- vorragende Qualitaten wie be- deutende Quantitaten zu bieten und an Stelle der vom Konzem abgesprengten Fabriken den Ex- port zu tibemehmen. Der Papier- fabrik Gratwein kommt dabei als Uberlegenheit zustatten, daB ihr eine groBe Zellulosefabrik angegliedert ist, die alle Sorten Zellulose fur die feinen und fein- sten Papiere, Kartons und Spe- zialitaten zu liefern vermag. Das Werk Gratwein, das tiber best- geschultes, bewahrtes Personal, reichste Erfahrung und leistungs- fahige Maschinen verfugt, war daher gleichsam von vomherein dazu ausersehen, fur die Erzeu- gung feiner und feinster holzfrei- er und hadernhaltiger Papiere herangezogen zu werden. Die sechs Gratweiner [!] Papierma- schinen produzieren gegenwar- tig etwa 1200 Waggons im Jah- re. Das Werk weist weiters zwei groBe Kartonklebemaschinen, ansehnliche Bleichereien und Hademhalbstoffanlagen auf, und es steht ihm eine eigene Chlor- fabrik zur Seite."4 Durchschnitt- 1ich boten diese Projekte wah- rend der wirtschaftlich schwie- rigen 20er Jahre laufend etwa 250 Arbeitern Beschaftigung.5 Im Jahre 1932 konnten durch BauprojektederMarktgemeinde sogar alle Arbeitslosen beschaf- Gratkorner Arbejter beim Bau der Gemeindewasserleitung. (AG) Zellulosefabrik der Leykam- Josefsthal AG in Gratkorn. Foto aus dem Jahre 1924. (Leykam 1925)
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