Geschichte Gratkorns
Frauen beim Holzsortieren urn 1955. (Sammlung K. Thannen) Die Papiermaschine 6 urn 1960. Bechts Franz Neubauer, Maschinftlhrer auf der PM 6. (Sammlung K. Thannen) reichen, fett-, eiweiB- und vit- aminarmen Emthnmg. Nur etwa 30 Prozent der Gratkomer Arbei- ter verdienten (theoretisch) viel Geld, daB ihnen eine vom ge- sundheitlichen Standpunkt ak- zeptable Emahrung m6glich ge- wesen ware. 70 Prozent der Ar- beiter sahen sich von den finan- ziellen Mitte|n her nicht in der Lage, sich und ihre Familien zu- 31 K. M Schmidlechner, i979, S. 96. 32 "[...] andererselts fallt auf, clac mehr a!s 70 °/o der Beschaftigten be- reits nach kurzer Zelt das Arbeits- verhaltnis gel6st haben." P. Cede,1984, S. 304. 33 Nach C. Schmutz, 1822 und Volks- zahlungen (Quelle: StazA). mindest qualita- tiv zufriedenstel- lend zu ernah- ren. Eine Arbeiterfa- milie muBte zwi- schen 52 und 57 Prozent des Re- aleinkommens ftir die Ernah- rung aufwenden. Weil Einsparun- gen am ehesten bei der Nahrung m6glich waren, "war es durch- aus keine Selten- heit, daB ein Tagl6hner an- statt der als ftir eine gesunde Er- nahrung not- wendig erachte- ten 70 kg Fleisch pro Jahr ledig- lich 4 -5 kg verzehrte, 120 kg - 150 kg Brot anstatt 320 kg, da- fur aber bis zu 350 kg Kartof- feln.»3i Wenn sich diese Aussagen auf Tagl6hner beziehen, die ihrerseit nicht die Masse der steirischen Arbeiter darstellten, so treffen sie doch auf die Papierindustrie ver- starkt zu. Gerade in der Papierindusrie namlich stellten die Tagl6hner einen tierproportional hohen Anteil, weil der Bedarf an qualifizierten Arbeitskraften in der Papierindu- strie lange Zeit nicht in dem MaB gegeben war wie in anderen Sparten. Die Quellen deuten dar- auf him, daB der Anteil an Tag- 16hnem unter den Arbeitern der Papierfabrik urn die Mitte des 19. Jahrhunderts sogar bis zu 70 Pro- Zent betragen hatte.32 Ziehen wir zudem die Entwick- lung der L6hne und Preise zwi- schen 1875 und 1890 in Betracht, so zeigt sich, daB einzelne Nah- rungsmittel fur den Arbeiter der Papierfabrik nahezu uner- schwinglich teuer wurden. MUB- te ein Tagl6hner im Jahre 1875 fur ein Kilogramm Rindfleisch 17 Stunden arbeiten, so hatte sich dieser Aufwand bis 1890 auf 30 Stunden gesteigert. Teuerungen und vergleichsweise minimale Reallohnerh6hung wirkten sich naturgemaB auf die Kindersterb- 1ichkeit, Tuberkulo seanfalligkeit und verschiedene andere Krank- heiten aus. Die Entwicklung der Papierfa- brik zwischen dem Jahr 1870 und der Jahrhundertwende fuhr- te in der Gemeinde, trotz der schwierigen Lebensverhaltnis- se der Arbeiter, zu einem enor- men Bev6lkerungsanstieg. Mit dem Ende der Wanderarbeiter lieBen sich die meisten der zu- gezogenen Arbeiter im Umfeld der Papierfabrik (KG Kirchen- viertel) nieder. Nebenstehende Tabelle beinhaltet die Werte fur die Katastralgemeinde Kirchen- viertel von 1822 bis 1910, als Vergleich werden die Werte der tibrigen drei alten Katastral- 8emeinden angegeben.33 Die Arbeitersiedlung beider- seits der Grazer StraBe / Brucker StraBe (ReichsstraBe) entstand und bald schon begann dieseneuef|Lefiu[:*gnv::|ehisto- rische des Kirchdorfes St. Stefan, bislang Zentrum der Gratkorner Bek- kens 6stlich der Mur, zu tiber- nehmen. Die Industriesiedlung wurde allgemein Gratkom ge- nannt und ihr Bedeutungs- gewinn schlug sich schlieBlich am 4. April 1907, gemaB ErlaB vom 24. Mirz 1907, in der An- derung des Gemeindenamens von St. Stefan am Gratkom in Gratkom nieder.
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