Geschichte Gratkorns

Der Bereich vom Hausberg / Zigeunerh6hle (links oben) bis zur Trattenmtlhle nach der Katasteraufnahme von 1823 (mit Erganzungen bis tw.1850). Auf Bauparz. Nr. 73 ist die erste Pa- pierfabrik, zwischen a[tem Mtlhlgang und erstem Werks- kanal, nachgetragen. Bauparz. Nr. 56: Binner vulgo Grtlnwirt; Bauparz. Nr. 58: vulgo Zekeneller. (AG/FK) PAP]EREFABffi]K UNS AffiBEIHEffiELEBEN Die tiberragende Bedeutung, die der Papierfabrik, heute KNP Leykam Gratkorn, seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten fur die Geschichte des Gratkorner Bek- kens zukommt, rechtfertigt es, vorerst auf die Entwicklung die- ses Unternehmens naher einzu- gehen. Ich m6chte in der Folge 1 F Tremel,1966, S.176. 2 0. Pickl, 1963, S. 48; Th® Graft -St. Karner,1985, S. 254. 3 P. Cede,19849 S. 262f. 4 E, Hutter, i960ff. 5 Fragmente zur Geschichte der MG Gratkom, verm. verfar3t von Hi!- de Kamper (AG). 6 GBAF} (Peggau); vgl. auch P. Cec]e, 1984, S. 262. 7 P Cede,1984, S. 263. 8 P W, Both,1973, S. 246 und 250, 9 Vgl. F}, Hoffmann, o. J aufzeigen, daB in diesem Falle ein Industriebetrieb nicht nur die wirtschaftlichen, sozialen und siedlungsgeographischen Wandlungserscheinungen be- stimmt - Peter Cede konnte es eindrucksvoll nachweisen -, son- dern dartiberhinaus mittel- und unmittelbar die politische Ge- schichte des Raumes Gratkorn bis in die Gegenwart hinein ent- scheidend beeinfluBt. Die Kunst der Papierherstellung gelangte aus China, wo sie be- reits im ersten vorchristlichen Jahrhundert bekannt war, urn das achte nachchristliche Jahrhun- dert tiber die arabischen Han- delswege in den Orient. Uber das arabisch - maurische Spanien fand die Kunst des Papier- sch6pfens im 12. Jahrhundert ihren Weg mach Sizilien. Im ita- 1ienischen Raum begann das Pa- pier ab dem spaten 13. Jahrhun- deft das Pergament, eine spezi- ell behandelte Tierhaut, als Beschreibstoff zu verdrangen. Der 6sterreichische Raum wur- de bis zum Ende des 15. Jahrhun- derts nit venezianischem Papier versorgt. Dann konnten die neuerrichteten Papiermtihlen im Wiener Becken, im Alpenvor- land, St. P61ten und Steyr den heimischen Bedarf decken. Schon zu Beginn des 16. Jahr- hunderts ist in der Leuzendorfer Au n6rdlich Graz eine Papier- mtihle nachweisbar. 1 Uber das Grtindungsjahr der Gratkorner Papierfabrik beste- hen divergierende Meinungen. Offizielle Publikationen der Pa- pierfabrik und 0. Pickl geben das Jahr 1828 an2 , Peter Cede nennt einen gewissen Karl Gleber (Cleber) als den Mann, der die Papierfabrik 1839 gegrtindet hat- te3 , die alte Gemeindechronik gibt den Herbst 1838 an4 und in diversen Notizen zur Geschich- te der Marktgemeinde5 wird ein Herr Kloiber genannt, der die Pa- pierfabrik im Jahre 1839 gegrtin- det haben soll. - Nachforschun- gen in alteren Quellen lassen je- denfalls die Vermutung zu, daB bereits zu Beginn des 19. Jahr- hunderts in der am alten Mtihlgang gelegenen Tratten- mtihle, direkt an der Reichs- straBe, Papier gesch6pft wurde.6 Auch tiber die fhihen Besitzver- haltnisse herrscht etwas Unklar- heit. Cede zufolge besaB Karl Gleber (Cleber) die Papierfabrik bis zum Juni 1844, als sic Joseph Krtiger - Schuh urn 6000 Gulden ersteigerte. Bereits im Februar 1847 verkaufte er sie an Bene- dikt Ziegler, der mit Jakob Syz einen Gesellschaftervertrag ab- schloB.7 P. Roth zufolge befand sich die Papierfabrik schon im Jahre 1840 im Besitz des Josef Kriegler - Schuch, der als vier- ter steirischer Unternehmer in seinem Betrieb eine Dampfma- schine einsetzte. Demnach war der Kessel vor 1840 von Karl Cleber aufgestellt worden.8 Im Jahre 1 849 erhielt die Papier- fabrik die Landesfabriks- befugnis, nachdem sic im Marz 1848 in den btirgerlichen Handelsstand aufgenommen worden war. AnlaBlich von Er- hebungen tiber den Umfang der Papiermtihle wurde im Juni 1 849 ein Protokoll angefertigt, das tiberdiemaschinelleAusstattung sowie tiber den Arbeitsablauf Auskunft gibt. Im Hauptgebau- de wurden Hadem und alte Lum- pen tibernommen, gelagert und sortiert. Nach dem Aufkochen dieser Masse wurde diese mit Leim und Farbe behandelt, ge- bleicht und in einer Papierma- schine weiterverarbeitet, dann erfolgte noch ein Trocknungs- vorgang mittels in Zylinder ge- 1eiteten Dampfes. Das Pressen und Glatten des Papiers stand am Ende des Produktionsvorganges, an dem im Jahre 1849 insgesamt etwa 58 Personen beteiligt wa- ren. Die Tagesproduktion an Pa- pier belief sich damals auf etwa 500 kg.9

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