Geschichte Gratkorns
URESEffiE VEffiEiENE H sp]E®EEL BEffi ®ESEELEL§eELAFHFELHleELEEN REusELTELJRAELiEFfiH Das Vereinswesen stellt einen bedeutenden kulturellen Faktor im Zusammenleben einer Ge- meinschaft dar. Es vermittelt In- teresse am 6ffentlichen, kommu- nalpolitischen Leben, versucht neues, von auBen herangetrage- nes Gedankengut zu integrieren, aber gleichzeitig auch tradiertes Brauchtum zu bewahren. Dabei wird besonders auf die Gesellig- keit hohen Wert gelegt, weiters werden Schwerpunkte auf die Freizeitgestaltung gelegt, schlieBlich haben Vereine auch eine gewisse volkskulturelle Aufgabe zu erftillen. Die Vereinsfreudigkeit, die man ins- besondere den deutschsprachi- gen Landern zuspricht, ist in an- deren Staaten in gleichem Aus- maB anzutreffen. Alle solche Be- merkungen laufen aber auf das- selbe hinaus : man reklamiert sol- ches als nationale Eigenart, was aber in Wirklichkeit ein wahrhaft internationales Bedtirfnis der Menschen zu sein scheint. Im Zuge der wirtschaftlichen Veranderungen, die sich im aus- gehenden 19. Jahrhundert in Gratkom bedingt durch die Ex- pansion der Papierfabrik ereig- neten, kam es auch zu einer Um- strukturierung im Alltag der Menschen. Das Leben wurde in Arbeits- und Freizeit eingeteilt, eine Trennung von Arbeitsplatz und Wohnraum war fur den neu- en Stand der Arbeiter zum Un- terschied des Bauem selbstver- standlich. Mit der Einfuhrung geregelter Arbeits zeiten entstand nun auch das Bedirfnis, den nun- mehr entstandenen Freiraum mit Tatigkeiten auszufullen, die den pers6nlichen Neigungen gerecht wurden. Je starker der EinfluB von Indu- strie und Technik auf das Leben der Menschen wurde, urn so mehr rtickten sozialpolitische Vereine, Arbeiter- und Ftirsorge- vereine in den Vordergrund. Dies steigerte nattirlich auch das SelbstbewuBtsein dieser Grup- pen. Die Veranderungen in der Kultur des gesamten Lebens, so- wohl die Familie als auch die Ar- beitswelt betreffend, lieBen das Vereinswesen zu einer von der Familie unabhangigen Gemein- schaft werden. Einerseits bestan- den weiterhin die besonders im Biedermeier geschatzten Verei- ne, die sich einer Sammlertatigkeit widmeten, auf der anderen Seite stell- ten sich viele Verei- ne in den Dienst ei- nerpolitischenldee, die sic in ihrem Bil- dungsprogramm in- tegrierten. Vor allem die Gesangs- und Tumvereine, im vo- rigen Jahrhundert zum Zwecke der k6aperlich-kulturel- 1en Erttichtigring gegrtindet, bildeten sich in politisch kri- tischen Zeiten iin- mer starker zu Tra- gem eines von den Die Entwicklung einer Gasthauskultur trug eben- falls zum BewuBtwerden der eigenen Freizeit bej. Man traf sich, urn init Freunden ftlr kurze Zeit das harte AIItagsleben vergessen zu k6nnen. (Sammlung Hauslbauer)
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